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Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im August 2026

Redaktion·3. Sept. 2026·5 Min.
Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im August 2026
In 30 Sekunden gelesen
  • Gravis Robotics sammelt 200 Millionen Dollar bei SoftBank ein — die mit Abstand grösste Runde und das erste Robotik-Unicorn aus der ETH.
  • Danach folgt ein tiefer Abstand: Exclaim Robotics, Aisot, Zerolook und SUIND liegen alle unter fünf Millionen.
  • Robotik ist das Thema des Monats — Bau, Rechenzentren und Landwirtschaft.
  • ZuriQ und NovaGo kursieren anderswo als August-Runden, gehören aber in den Juli und in den September.

Platz 1: Gravis Robotics holt 200 Millionen und wird zum Unicorn

Es gibt Monate mit vielen kleinen Runden. Und es gibt Monate mit einem einzigen Paukenschlag. Der August 2026 war Zweiteres. Gravis Robotics aus Zürich sicherte sich am 17. August eine Series A über 200 Millionen Dollar, angeführt von SoftBank. Die Bewertung liegt bei einer Milliarde Dollar. Damit ist Gravis das fünfte Unicorn aus der ETH Zürich und das erste aus der Robotik.

Gravis wurde 2022 gegründet und ist aus dem Robotic Systems Lab von ETH-Professor Marco Hutter hervorgegangen. Die Firma rüstet Baumaschinen wie Bagger mit KI und Sensorik nach, damit sie autonom arbeiten. Die Technik lässt sich auf bestehende Geräte verschiedener Hersteller aufsetzen. Das ist der Hebel: Gravis verkauft nicht neue Maschinen, sondern macht die vorhandene Flotte selbstfahrend.

Die Rangliste dahinter: viel Robotik, wenig Kapital

Auf Platz zwei folgt mit grossem Abstand Exclaim Robotics, ebenfalls aus Zürich. Das Startup kam Anfang August aus dem Stealth-Modus und meldete eine Pre-Seed-Runde über 4,29 Millionen Euro, rund 4,95 Millionen Dollar. Gebaut werden Roboter, die Rechenzentren warten und reparieren. Gegründet haben es Robotik-Fachleute mit Vergangenheit bei Google und Nvidia.

Platz drei geht an Aisot Technologies, ein weiteres ETH-Spin-off aus Zürich. Am 13. August schloss die Fintech-Firma eine Seed-Aufstockung über 2 Millionen Franken ab. Neu mit an Bord ist Felix Haldner, früher Partner bei Partners Group. Aisot baut KI für die Portfolio-Steuerung im Asset- und Wealth-Management.

Auf Platz vier steht Zerolook aus Zug. Die Reise-Tech-Firma holte am 11. August eine Pre-Seed-Runde über 1,9 Millionen Dollar, rund 1,5 Millionen Franken, angeführt vom Londoner Investor Playfair. Zerolook betreibt eine Flug-API für den Zwischenhandel und sagt Flugpreise voraus, statt sie für jede Suche neu zu berechnen. Die Gründer kommen von Google Flights und Kayak.

Platz fünf teilt sich die Schweiz mit Indien: SUIND, mit Sitz in Zürich und einem zweiten Standbein in Bangalore, meldete am 14. August eine Seed-Runde über rund 1,75 Millionen Franken, umgerechnet 20,5 Crore Rupien. Angeführt haben sie die indischen Investoren Transition VC und IIMA Ventures. SUIND baut autonome Sprühdrohnen für die Landwirtschaft.

Darunter wird es dünn. BitVault sammelte am 21. August 500’000 Franken für eine Bitcoin-App ein. Bei weiteren Deals des Monats — dem Einstieg eines prominenten Geldgebers bei Relai, dem Olympiasieger als Investor bei Avea, der strategischen Beteiligung von Infosys an Indivi — nannte niemand einen Betrag. Ohne Zahl gibt es bei uns keinen Platz in der Rangliste.

Was wir aussortiert haben

Zwei der grössten Runden, die im Netz als August-Deals herumgereicht werden, gehören nicht in diesen Monat. ZuriQ, das ETH-Spin-off für Quantencomputer, holte 25,5 Millionen Dollar — die Mitteilung datiert aber vom 28. Juli. Und NovaGo Therapeutics aus Schlieren schloss eine Series B über 24 Millionen Franken beziehungsweise 30 Millionen Dollar ab — bekannt gegeben am 2. September. Beide Runden sind echt und gross. Nur eben nicht im August. Wer Monatslisten aus Aggregatoren übernimmt, schleppt solche Datumsfehler mit. Wir datieren an der Originalmitteilung.

Unsere Einordnung

Ein einziger Deal war der August. Die 200 Millionen von Gravis sind rund vierzigmal so viel wie die Runde auf Platz zwei. Nimmt man SoftBank aus der Rechnung, war es ein ruhiger Sommermonat für den breiten Frühphasenmarkt. Das ist keine Krise, das ist August. Interessant ist, wohin das grosse Geld fliesst.

Und das ist die Robotik. Bau bei Gravis, Rechenzentren bei Exclaim, Landwirtschaft bei SUIND: Physical AI ist der Bereich, in dem Schweizer Deep Tech gerade Weltklasse liefert. Die Fabrik dahinter hat einen Namen und eine Adresse — das Robotic Systems Lab der ETH Zürich. Wer nach dem stärksten Tech-Talent im Land sucht, muss nicht lange überlegen, wo er anfängt.

Bleibt die ehrliche Frage zu SoftBank. Ein Series A über 200 Millionen in ein 2022 gegründetes Spin-off ist ein enormer Vertrauensvorschuss, mutig auf die für SoftBank typische Art. Verifiziert ist das Kapital und die Herkunft der Technik. Die Milliarden-Bewertung dagegen ist ein Versprechen auf die Zukunft, kein Beleg für heutige Marktmacht. Genau diese Umsetzung im Feld wird zeigen, ob aus dem teuersten Schweizer Robotik-Bet ein dauerhafter Weltmarktführer wird. Wir bleiben dran.

Die genannten Startups findest du im Verzeichnis, filterbar nach Kanton, Branche und Finanzierungsphase. Den Robotik-Cluster gibt es dort als eigenen Filter.

Quelle: startupticker.ch

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