Förder-Ticker KW 36: CHF 150'000 für Stellar Alpina, fünf Waadtländer Teams holen je CHF 100'000

- Venture Kick spricht dem Zürcher Raketentriebwerk-Startup Stellar Alpina CHF 150'000 zu.
- Die Stiftung FIT vergibt fünf Tech Grants à CHF 100'000 an Projekte von CHUV und EPFL im Kanton Waadt.
- Der Startup Launchpad AI Track powered by UBS wählt vier EPFL-Projekte aus, die sich CHF 160'000 teilen.
- Gesamtvolumen der Woche: rund CHF 810'000 an Frühphasen-Förderung.
Diese Woche floss viel Fördergeld in die frühesten Phasen – verteilt auf zehn Teams und drei Programme. Rund CHF 810'000 insgesamt. Wir haben die Meldungen gebündelt.
Venture Kick: CHF 150'000 für Stellar Alpina
Venture Kick spricht dem Zürcher Startup Stellar Alpina CHF 150'000 zu. Die Firma entwickelt Rotating Detonation Rocket Engines, also kompakte Triebwerke, die Raumfahrzeuge bewegen, sobald sie im Orbit sind. Gegründet haben sie Rick Röthlisberger, Simi Y. Wespi, Victor Elliesen und Patrick Egli. Das Geld fliesst in den Ausbau der Testinfrastruktur, weitere Hotfire-Kampagnen und die Entwicklung des ersten Flugtriebwerks.
Bemerkenswert ist das Tempo: 82 Tage nach der Gründung stand die Testinfrastruktur, und das Team absolvierte nach eigenen Angaben Europas erste bekannte kommerzielle RDRE-Hotfire-Kampagne mit Engine 0 – acht detonative Hotfires und bis zu fünf stabile Detonationswellen. Im Mai 2026 hatte Stellar Alpina bereits CHF 3,5 Mio. in einer Pre-Seed-Runde geholt.
Zur Einordnung des Betrags: Venture Kick zahlt über drei Stufen aus – CHF 10'000, CHF 40'000 und CHF 100'000. Zusammen ergibt das die volle Programmsumme von CHF 150'000.
FIT: fünf Tech Grants à CHF 100'000 in die Waadt
Die Fondation pour l'Innovation et la Technologie vergibt fünf Tech Grants über je CHF 100'000. Drei gehen an Projekte aus dem CHUV, zwei an Projekte der EPFL.
Chorus Tre baut eine sichere Plattform, mit der Spitäler und Forschende sensible Medizindaten auswerten können, ohne dass diese die geschützte Umgebung verlassen. Der Zugang zu Forschungsdaten soll damit von Monaten auf Tage sinken. Der Grant unterstützt Vanessia Wu bei einem unabhängigen Sicherheitsaudit, den ersten Pilotprojekten mit Partnerspitälern und der Gründung eines Spin-offs.
HeteroSight entwickelt ein KI-Werkzeug, das auf einem gewöhnlichen Biopsie-Schnitt erkennt, ob ein Tumor mehrere genetisch unterschiedliche Zonen enthält. Das ist relevant, weil verschiedene Tumorteile unterschiedlich auf zielgerichtete Therapien ansprechen. Sadegh Saghafinia baut damit eine erste Patientenkohorte auf und validiert das Modell.
SixtineAI arbeitet an einer Plattform, mit der Spitäler, Kliniken und selbständige Ärztinnen klinische KI-Agenten einsetzen und steuern können, ohne die Kontrolle über ihre sensiblen Daten abzugeben. Sami Perrin soll damit erste klinische Pilotprojekte am CHUV starten und die Zertifizierung als Medizinprodukt vorbereiten.
Cookd Labs aus der EPFL kombiniert ein robotisiertes Labor mit KI, um Lebensmittel-Rezepturen schneller zu entwickeln und zu testen – etwa für den Ersatz einzelner Zutaten oder günstigere, gesündere Alternativen. Was früher Monate manueller Tests brauchte, soll in Wochen gehen. Germain Meyer validiert den Roboter-Prototypen und baut das erste KI-Produkt für Hersteller.
Endobotica, ebenfalls EPFL, entwickelt TREX: ein teleoperiertes Robotersystem für die Behandlung des ischämischen Schlaganfalls. Es soll Ärztinnen und Ärzten helfen, das blockierende Gerinnsel in der Hirnarterie präziser zu lokalisieren und sicherer zu entfernen. Evgenia Roussinova weist damit die Zuverlässigkeit im Labor nach.
AI Track powered by UBS: vier EPFL-Projekte teilen CHF 160'000
Der Startup Launchpad AI Track der EPFL, unterstützt von UBS, hat seinen zweiten Jahrgang gewählt. Nach sechs Teams im Startjahr 2025 erhalten nun vier neue EPFL-Projekte zusammen CHF 160'000. Sie arbeiten unter anderem an der Absicherung von KI-Agenten, an der Konformität physischer KI-Systeme, an der Identifikation wirkungsvoller KI-Anwendungen in Organisationen und an einfacher zugänglichen CO2-Bilanzen.
Das Programm läuft sechs Monate. Es richtet sich ausdrücklich an Teams vor der Firmengründung – wer bereits eine AG oder Sàrl hat, ist nicht zugelassen. Format A gibt bis zu CHF 50'000 an Forschende mit Gastlabor, Format B CHF 20'000 für Solo-Gründer oder CHF 40'000 für Zweierteams frisch nach dem Master.
Unsere Einordnung
Auffällig ist die Konzentration auf die Waadt. Fünf von zehn geförderten Teams kommen aus dem Umfeld CHUV und EPFL, dazu die vier AI-Track-Projekte – also neun von zehn. Der Kanton hat ein Fördersystem gebaut, das Forschungsergebnisse systematisch in Firmen überführt. Andere Kantone haben Geld, aber selten diese Dichte an Instrumenten.
Inhaltlich fällt auf, wie viel Gesundheits-KI dabei ist. Chorus Tre, HeteroSight und SixtineAI lösen alle dasselbe Grundproblem aus drei Richtungen: Wie nutzt man Spitaldaten, ohne sie herauszugeben? Das ist die zentrale Frage der klinischen KI – und die Schweiz sitzt mit ihrer Datenschutzkultur an einem guten Platz, um sie zu beantworten.
Skeptisch macht uns der AI Track. CHF 160'000 auf vier Projekte verteilt sind pro Team wenig, und sechs Monate sind kurz für den Sprung vom Prototyp zum ersten Kunden. Als Anschub ist das sinnvoll, als Programm zur Startup-Gründung dagegen knapp bemessen. Der entscheidende Test kommt erst danach: Wie viele dieser vier Teams stehen in einem Jahr noch – mit einer eingetragenen Firma und zahlenden Kunden?
Quelle: fondation-fit.ch
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