Boehringer Ingelheim kauft Evax – der Thurgauer Pferde-Impfstoff geht an den Weltkonzern

- Boehringer Ingelheim hat die Evax AG übernommen, die Konditionen wurden nicht offengelegt.
- Evax ist ein Spin-off der Universität Zürich und entwickelt therapeutische Impfstoffe für Pferde, vor allem gegen allergische Hauterkrankungen.
- Die Technologie beruht auf virusähnlichen Partikeln, die das Immunsystem des Pferds zu neutralisierenden Antikörpern anregen.
- Boehringer hatte bereits 2024 die verwandte Saiba Animal Health übernommen.
Ein kleines Thurgauer Biotech-Team verkauft sich an einen der grössten Tiergesundheits-Konzerne der Welt. Boehringer Ingelheim hat die Evax AG übernommen. Konditionen: nicht offengelegt.
Was passiert ist
Boehringer Ingelheim hat die Übernahme der Evax AG bekanntgegeben. Die Firma ist im Handelsregister des Kantons Thurgau eingetragen, der Sitz liegt in Münchwilen, die Labore stehen im Wagiareal in Schlieren. Gegründet wurde die Aktiengesellschaft im Oktober 2014, die Forschung dahinter entstand an der Universität Zürich. Evax ist damit ein klassisches Uni-Spin-off, das ein Jahrzehnt lang an einer einzigen, sehr konkreten Idee gearbeitet hat.
Der Kaufpreis bleibt unter Verschluss. Evax wird Teil des Geschäftsbereichs Animal Health von Boehringer Ingelheim. CEO und Gründerin Antonia Gabriel spricht davon, mit dem Konzern Innovations-, Produktions- und Vertriebskraft für die nächsten Entwicklungsphasen zu gewinnen.
Wer kauft
Boehringer Ingelheim ist seit 1885 unabhängig, beschäftigt rund 54'300 Menschen und ist in der Tiergesundheit einer der Marktführer. Der Konzern verfolgt therapeutische Impfstoffe seit Jahren. 2024 übernahm er bereits Saiba Animal Health – eine Firma aus demselben wissenschaftlichen Umfeld. Evax-Mitgründer Martin Bachmann hatte auch Saiba gegründet. Wer die Schweizer Immunologie-Szene kennt, sieht hier kein Zufallsmuster, sondern eine gezielte Einkaufstour entlang einer Technologie.
Die Technologie
Evax arbeitet mit virusähnlichen Partikeln. Das sind leere Virushüllen ohne Erbgut – sie können nicht infizieren, sehen für das Immunsystem aber gefährlich genug aus, um eine kräftige Antikörperantwort auszulösen. Evax koppelt daran Moleküle, die bei der Allergie im Pferd die Entzündung antreiben. Das Pferd bildet dann Antikörper gegen den eigenen Botenstoff und die Reaktion bricht ab.
Der wichtigste Anwendungsfall ist das Sommerekzem: eine chronische, juckende Hautentzündung nach Insektenstichen. Wer betroffene Pferde kennt, kennt auch die heutige Behandlung – Shampoos, Salben, Decken, im Ernstfall Kortison. Das lindert Symptome, kostet Zeit und hat Nebenwirkungen. Evax setzt eine Stufe tiefer an, an der Ursache. Daneben forscht die Firma an wiederkehrender Urtikaria, equinem Asthma, chronischem allergischem Juckreiz und eosinophiler Keratitis.
Unsere Einordnung
Das ist ein guter Exit – und ein leiser. Kein Milliardenbetrag, keine Schlagzeile im Wirtschaftsteil. Aber genau diese Deals zeigen, wo die Schweizer Biotech-Stärke wirklich liegt: in schmalen, wissenschaftlich sauber besetzten Nischen, die ein Konzern lieber kauft als selbst aufbaut.
Bemerkenswert ist die Geduld. Zwölf Jahre von der Gründung bis zur Übernahme, mit einem Team von gut einer Handvoll Leuten, finanziert unter anderem über eine eigene Pflegeprodukt-Linie. Das ist nicht das Tempo, das Venture Capital gerne sieht. Es ist aber das Tempo, das Veterinärmedizin und Zulassungen nun einmal verlangen.
Eine Warnung gehört dazu: Klinische Wirksamkeitsdaten am Pferd sind öffentlich bisher dünn. Boehringer kauft hier eine Plattform und ein Team, nicht ein fertiges Produkt. Der Weg zur Zulassung bleibt offen. Für die Schweizer Szene zählt trotzdem etwas anderes: Bachmanns VLP-Technologie hat jetzt zum zweiten Mal einen Käufer gefunden. Das ist kein Glück mehr, das ist ein Geschäftsmodell.
Zum Startup
- Name
- Evax AG
- Phase
- Exit
- Letzte Runde
- Übernahme durch Boehringer Ingelheim (2026, Konditionen nicht offengelegt)
- Kanton
- Thurgau
Quelle: globenewswire.com
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