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FinanzierungVerifiziert

Vier EPFL-Projekte teilen sich CHF 160'000 – der AI Track von UBS geht in die zweite Runde

Redaktion·7. Sept. 2026·5 Min.
Vier EPFL-Projekte teilen sich CHF 160'000 – der AI Track von UBS geht in die zweite Runde
In 30 Sekunden gelesen
  • Der Startup Launchpad AI Track powered by UBS an der EPFL vergibt in der zweiten Ausschreibung zusammen CHF 160'000 an vier Projekte.
  • Gefördert werden SentiSec (Sicherheit für KI-Agenten), Ply (Compliance für physische KI), Consularis (KI-Potenzialanalyse) und Carbon Away (automatisierte Ökobilanzen).
  • Alle vier Teams sollen in den kommenden Monaten als Firmen gegründet werden; die Förderung läuft über sechs Monate.
  • 2025 hatte das Programm sechs erste Geförderte ausgewählt.

Der Startup Launchpad AI Track powered by UBS ist das erste Schweizer Förderprogramm, das ausschliesslich auf KI zielt. In der zweiten Ausschreibung teilen sich nun vier EPFL-Projekte zusammen CHF 160'000. Alle vier sollen in den kommenden Monaten als Firmen gegründet werden.

Was passiert ist

Nach sechs Geförderten im Startjahr 2025 hat die EPFL nun vier neue Projekte ausgewählt. Das Geld ist nicht viel, aber es kommt früh – in der Phase, in der ein Forschungsergebnis noch keine Firma ist. Die Teams haben sechs Monate Zeit, um ihre Technologie zu testen, den Ansatz zu validieren und der Kommerzialisierung näherzukommen. Auffallend ist, wie eng die vier Themen an der Regulierung hängen: Drei von vier Projekten leben davon, dass Europa gerade Nachweispflichten schafft.

Die vier geförderten Projekte

SentiSec baut die Blackbox für KI-Agenten. Immer mehr Firmen lassen Agenten selbstständig Nachrichten verschicken, Datensätze ändern und Aktionen auslösen. Ein Log zeigt danach zwar, was passiert ist – aber nicht, warum, welche Daten die Entscheidung beeinflusst haben und ob ein Mensch hätte prüfen müssen. SentiSec setzt sich zwischen Agenten, Modellanbieter und Werkzeuge, bewertet jede Aktion, blockiert oder eskaliert Riskantes und führt ein forensisches Protokoll. Ein Prototyp läuft; in den nächsten sechs Monaten sollen eine belastbare Beta und Pilotversuche mit echtem Agenten-Traffic folgen.

Ply kümmert sich um physische KI – also um Systeme, die nicht nur rechnen, sondern handeln: Roboterarme in der Montage, selbstfahrende Fahrzeuge. Deren Software ändert sich laufend, und jede Änderung berührt Sicherheit und Zulassung. Weil die Regulierung von der einmaligen Zertifizierung zur Aufsicht über den ganzen Lebenszyklus wechselt, müssen Hersteller ständig belegen können, dass ihr System noch konform ist. Von Hand skaliert das nicht, und generative KI allein ist für sicherheitskritische Entscheide zu unzuverlässig. Ply kombiniert deshalb strikte regelbasierte Logik mit KI, die über echte Regulierungstexte argumentiert – mit Nachvollziehbarkeit und menschlicher Kontrolle. Das Team um Carina Kaeser will aus bestehenden Designpartnerschaften ein erstes bezahltes Pilotprojekt machen und gemeinsam mit unabhängigen Sicherheitsexperten einen Benchmark aufbauen.

Consularis zielt auf Firmen ab 50 Mitarbeitenden, die wissen, dass sie KI einsetzen sollten, aber nicht wo. Statt eines teuren Beratungsmandats befragt das System viele Mitarbeitende parallel und verdichtet die Antworten zu einer geprüften Karte der Menschen, Prozesse und Werkzeuge – inklusive der Frage, wo Arbeit tatsächlich übergeben wird. Daraus lässt sich ableiten, wo sich KI wirklich rechnet. Das System läuft nach Angaben der EPFL bereits durchgängig in sieben Pilotprojekten, darunter bei der staatlichen Holding Bhutans.

Carbon Away automatisiert Ökobilanzen. Solche Lebenszyklusanalysen sind heute langsam, teuer und werden meist erst gerechnet, wenn das Produkt fertig konstruiert ist – also zu spät. Carbon Away lässt über 20 KI-Agenten die sieben Phasen einer Ökobilanz abarbeiten und liefert laut Machbarkeitsnachweis Ergebnisse in unter 20 Minuten für weniger als drei Dollar. Ein kostenloses MVP soll die Nutzerbasis aufbauen. Der eigentliche Vorteil ist die Zugänglichkeit: Man braucht kein Ökobilanz-Wissen, um das Ergebnis zu verstehen. Das zählt, weil rund 80 Prozent der Umweltwirkung eines Produkts schon im Designstadium festgelegt werden.

Unsere Einordnung

CHF 160'000 auf vier Teams verteilt ist kein Kapital, das eine Firma trägt. Es ist Startgeld – und genau dort fehlt es in der Schweiz am meisten. Zwischen fertiger Forschung und erster Seed-Runde klafft eine Lücke, in der viele Projekte versanden, weil niemand sechs Monate Vollzeitarbeit finanziert. Dass eine Grossbank diese Phase mitfinanziert, statt erst bei der Series A aufzutauchen, finden wir richtig.

Inhaltlich fällt die Auswahl auf: Kein einziges Projekt baut ein Modell. Alle vier bauen die Schicht darum herum – Aufsicht, Nachweis, Bilanz, Analyse. Das ist eine kluge Positionierung für einen Standort, der im Rennen um Rechenleistung ohnehin nicht gewinnt, aber Vertrauen, Prüfung und Regulierungskompetenz seit Jahrzehnten verkauft. Der Haken bleibt derselbe wie bei jedem Frühphasenprogramm: Ausgewählt zu werden ist noch kein Markt. Wir schauen in einem Jahr nach, wie viele der vier Firmen dann tatsächlich zahlende Kunden haben.

Quelle: epfl.ch

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