Zuger Cy Biopharma verkauft sich an Ensysce – und landet an der Nasdaq

- Ensysce Biosciences (Nasdaq: ENSC) hat die Übernahme des Zuger Biotechs Cy Biopharma abgeschlossen – als Stock-for-Stock-Merger gegen 282'122 Series-C-Vorzugsaktien.
- Dazu kommen bis zu USD 77 Mio.: USD 21,5 Mio. Private Placement, USD 17,1 Mio. Cash aus einer Wandelanleihe von Cy Biopharma und bis zu USD 38,6 Mio. bei Erreichen eines klinischen Meilensteins.
- Nach Zustimmung der Aktionäre halten die bisherigen Cy-Biopharma-Eigentümer rund 74,94 Prozent der voll verwässerten Anteile – ohne allfällige Aktien aus dem Milestone Closing.
- Das Geld soll den Wirkstoff CY200 gegen das komplexe regionale Schmerzsyndrom (CRPS Typ 1) durch die Phase-2-Daten und in die Zulassungsentwicklung tragen.
Ein Schweizer Biotech verschwindet – und taucht als Mehrheitseigentümer eines Nasdaq-Unternehmens wieder auf. Cy Biopharma aus dem Kanton Zug ist von der kalifornischen Ensysce Biosciences übernommen worden. Wer genau hinschaut, sieht: Übernommen wurde hier vor allem eine Börsenkotierung.
Was passiert ist
Ensysce Biosciences, kotiert an der Nasdaq unter ENSC und ansässig in San Diego, hat die Übernahme von Cy Biopharma abgeschlossen. Cy Biopharma wurde 2020 gegründet, sitzt im Kanton Zug und entwickelt neuroplastogene Wirkstoffe gegen schwere chronische Schmerzsyndrome. Die Transaktion ist als Stock-for-Stock-Merger strukturiert: Sämtliche Anteile von Cy Biopharma wurden gegen insgesamt 282'122 Series-C-Vorzugsaktien getauscht, was 282'122'000 Stammaktien entspricht.
Die Machtverhältnisse sind eindeutig. Nach der noch ausstehenden Zustimmung der Ensysce-Aktionäre halten die bisherigen Cy-Biopharma-Eigentümer rund 74,94 Prozent der voll verwässerten Anteile – ohne die Aktien, die beim späteren Milestone Closing noch dazukommen können. Ensysce selbst kommt auf rund 7,57 Prozent, die neuen Investoren auf rund 17,49 Prozent. Der kombinierte, voll verwässerte Eigenkapitalwert liegt bei rund USD 122,9 Mio. James Morrison, Gründer und CEO von Cy Biopharma, wird President von Ensysce und zieht in den Verwaltungsrat ein.
Wer investiert
Parallel zur Übernahme fliesst frisches Geld. Insgesamt bis zu USD 77 Mio., zusammengesetzt aus drei Teilen: USD 21,5 Mio. Bruttoerlös aus einem Private Placement beim ersten Closing, USD 17,1 Mio. Cash, das Cy Biopharma aus einer Wandelanleihen-Finanzierung vor der Übernahme mitbringt, und bis zu USD 38,6 Mio. weitere Mittel, die bei Erreichen eines klinischen Meilensteins abgerufen werden.
Angeführt wurde das Private Placement von Ally Bridge Group. Beteiligt haben sich Perceptive Advisors, Dellora Investments, Ikarian Capital und Adage Capital Partners. Cantor und UBS Investment Bank agierten als Platzierungsagenten. Die erste Tranche sollte am 7. August 2026 schliessen.
Worum es medizinisch geht
Das Geld ist für CY200 bestimmt, den Leitwirkstoff von Cy Biopharma gegen das komplexe regionale Schmerzsyndrom vom Typ 1, kurz CRPS. Das ist eine der schwersten chronischen Schmerzerkrankungen überhaupt. Sie trifft Menschen oft nach einer eigentlich banalen Verletzung, brennt sich ins Nervensystem ein und lässt sich bis heute nicht ursachengerecht behandeln. Eine zugelassene Therapie gibt es nicht. Die FDA hat CY200 den Orphan-Drug-Status erteilt.
Der Ansatz unterscheidet sich vom üblichen Schmerzmittel-Rezept. Neuroplastogene sollen die zugrundeliegende Neurobiologie verändern, statt nur Symptome zu dämpfen. Die Mittel sollen CY200 durch die Topline-Daten einer randomisierten Phase-2-Studie und in die Zulassungsentwicklung tragen. Ensysce führt daneben sein eigenes Programm PF614-MPAR weiter, ein missbrauchsgeschütztes Opioid, finanziert vom US-Institut NIDA.
Unsere Einordnung
Nennen wir das Kind beim Namen: Das ist keine Übernahme, das ist ein Reverse Merger. Wer nach dem Deal drei Viertel des Unternehmens hält und den President stellt, wurde nicht gekauft – der hat gekauft. Cy Biopharma hat sich über eine ausgezehrte Nasdaq-Hülle den Weg an die Börse verschafft, ohne IPO-Prozess und ohne Roadshow. Das ist 2026 der pragmatische Weg, und die Zuger haben ihn sauber gespielt.
Bemerkenswert ist die Investorenliste. Ally Bridge, Perceptive, Adage, Ikarian – das sind keine Gelegenheitskäufer, sondern spezialisierte Healthcare-Adressen, die vor allem eines prüfen: die klinischen Daten. Dass sie mit Cantor und UBS als Platzierungsagenten antreten, spricht für die Substanz des Programms. Und CRPS ist ein Indikationsgebiet, in dem jeder Fortschritt sofort auffällt, weil es schlicht nichts gibt.
Der Haken: Die zweite Tranche über USD 38,6 Mio. hängt an einem klinischen Meilenstein. Kommen die Phase-2-Daten nicht wie erhofft, bleibt eine Nasdaq-Kotierung mit dünner Kasse. Und die Umwandlung der Vorzugsaktien braucht noch die Zustimmung der Ensysce-Aktionäre. Für die Schweizer Szene ist der Fall trotzdem lehrreich: Ein Zuger Biotech nutzt eine amerikanische Börsenhülle als Kapitalzugang. Wer in Europa auf den grossen IPO wartet, sollte sich diesen Weg genauer anschauen.
Zum Startup
- Name
- Cy Biopharma
- Phase
- Exit
- Letzte Runde
- Übernahme durch Ensysce Biosciences (Stock-for-Stock-Merger, 2026)
- Kanton
- Zug
Quelle: biospace.com
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