Cluster-Check: Warum die Waadt zur Hardware-Hochburg der Schweiz wird

- Im ersten Halbjahr 2026 flossen rund CHF 1,25 Mrd. in Schweizer Startups – Hardware sammelte mit über CHF 324 Mio. einen Rekord ein.
- Drei der vier grössten Hardware-Runden gingen an Startups aus dem Kanton Waadt.
- Treiber ist das EPFL-Ökosystem in Lausanne: Forschung, Infrastruktur und spezialisierte Investoren an einem Ort.
- Vorzeigefälle sind SWISSto12, AELER und Astrocast; Zürich enttäuschte bei den grossen Tickets.
🗺️ Cluster – Waadt: Während Zürich bei den grossen Runden schwächelt, zieht ein anderer Kanton die Hardware-Elite der Schweiz an.
Das erste Halbjahr 2026 hat eine klare Botschaft: Schweizer Hardware boomt – und ihr Schwerpunkt liegt im Westen. Von den vier Hardware-Deals unter den zehn grössten Finanzierungsrunden gingen drei an Startups aus dem Kanton Waadt. Wir schauen, warum ausgerechnet die Region um Lausanne zur Hardware-Hochburg wird.
Die Zahlen
Insgesamt flossen im ersten Halbjahr 2026 rund CHF 1,25 Milliarden in Schweizer Startups – weniger als im Vorjahr. Ein Segment wuchs aber gegen den Trend: Hardware sammelte mit über CHF 324 Millionen so viel ein wie nie zuvor, mehr als 60 Prozent über dem bisherigen Rekordhalbjahr. Und dieses Geld verteilt sich nicht gleichmässig. Drei der vier grössten Hardware-Runden landeten in der Waadt. Zürich, sonst das Zugpferd, enttäuschte bei den grossen Tickets.
Warum die Waadt
Der Grund heisst EPFL. Die Hochschule in Lausanne ist eine der weltbesten Adressen für Ingenieurwissenschaften und wirft seit Jahren Deeptech-Spin-offs aus. Rund um den Campus hat sich ein dichtes Netz gebildet: Labore, Prototyping-Werkstätten, spezialisierte Investoren und ein Innovationspark direkt auf dem Gelände. Wer Hardware baut, braucht mehr als Code – Reinräume, Testinfrastruktur, Materialwissen. Genau das findet sich in der Region gebündelt. So entsteht ein Kreislauf: Talente bleiben, Firmen wachsen, neue Gründer folgen.
Die Namen
Die Waadt hat die Vorzeigefälle. SWISSto12 baut in Renens Satelliten-Hardware und Antennen und sammelte zuletzt hohe Millionenbeträge ein – profitabel obendrein. AELER entwickelt in Lausanne intelligente Hochsee-Container aus Verbundwerkstoff und holte ebenfalls frisches Kapital plus einen neuen CEO für den Industrie-Hochlauf. Astrocast betreibt aus der Region ein Satelliten-Netz für das Internet der Dinge. Dazu kommen zahlreiche kleinere Medtech- und Cleantech-Firmen, die dieselbe Infrastruktur nutzen. Kein Zufall, sondern System.
Was das bedeutet
Der Hardware-Boom ist eine gute Nachricht für die Schweiz. Er spielt die eigentliche Stärke des Landes aus: Präzision, Ingenieurskunst, tiefe Forschung. Software lässt sich überall bauen, komplexe Hardware nicht. Hier hat die Schweiz einen echten Standortvorteil – und die Waadt macht gerade vor, wie man ihn nutzt.
Unsere Einordnung
Wir sehen darin mehr als eine Momentaufnahme. Die Waadt zeigt, was passiert, wenn Hochschule, Infrastruktur und Kapital an einem Ort zusammenkommen. Für Zürich ist das ein Weckruf: ein starkes Halbjahr für Hardware, aber die grossen Tickets gingen woanders hin. Für Gründer heisst die Lektion: Standort ist kein Detail. Wer Hardware baut, ist in der Nähe der EPFL messbar im Vorteil. Und für die Schweiz insgesamt ist der Trend ermutigend – solange das Kapital auch in der schwierigen Skalierungsphase bleibt und nicht ins Ausland abwandert.
Quelle: venturelab.swiss
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