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Climeworks und die Wette auf Direct Air Capture

Redaktion·25. Feb. 2026·7 Min.
Climeworks und die Wette auf Direct Air Capture
In 30 Sekunden gelesen
  • Climeworks filtert CO2 direkt aus der Luft.
  • Das CO2 wird dauerhaft im Boden gespeichert.
  • Climeworks ist ein Pionier im Direct Air Capture.
  • Die Technologie ist teuer, aber strategisch wichtig.

Climeworks saugt CO2 direkt aus der Luft. Das klingt nach Science-Fiction, ist aber real — und eine der mutigsten Wetten der Schweizer Cleantech-Szene. Kaum ein Startup polarisiert so stark: Für die einen ist das Zürcher Unternehmen ein unverzichtbarer Hoffnungsträger im Kampf gegen die Erderwärmung, für die anderen ein teures Versprechen, das sich nie rechnen wird. Beide Lager haben Argumente.

Wie Direct Air Capture funktioniert

Grosse Ventilatoren ziehen Umgebungsluft an. Spezielle Filter binden das darin enthaltene CO2, während der Rest der Luft wieder entweicht. Ist ein Filter gesättigt, wird er erhitzt; das CO2 löst sich in konzentrierter Form und wird anschliessend tief in den Untergrund gepresst, wo es über geologische Prozesse mit Gestein reagiert und dauerhaft mineralisiert. Das Ergebnis ist eine der wenigen Methoden, CO2 nicht nur zu vermeiden, sondern der Atmosphäre aktiv und messbar zu entziehen. Genau diese Dauerhaftigkeit unterscheidet den Ansatz von vielen anderen Klimamassnahmen.

Das Geschäftsmodell

Climeworks verkauft die CO2-Entfernung als Dienstleistung. Unternehmen und Staaten kaufen Zertifikate für Emissionen, die sich technisch kaum vermeiden lassen — etwa in der Industrie oder Luftfahrt. Anders als bei vielen billigen Kompensationsprojekten, deren Wirkung umstritten ist, ist die Entfernung hier nachweisbar und langfristig. Das macht die Zertifikate glaubwürdig — und teuer. Denn der Prozess verschlingt viel Energie und erfordert grosse, kostspielige Anlagen. Climeworks verkauft also nicht nur Technik, sondern ein Versprechen, das überprüfbar ist.

Die grösste Runde der Branche

2022 sammelte Climeworks eine Eigenkapitalrunde über 600 Millionen Franken — rund 650 Millionen Dollar — ein, damals die grösste je von einem CO2-Entfernungs-Unternehmen abgeschlossene Runde. Angeführt wurde sie gemeinsam von Partners Group und dem Staatsfonds GIC, mit weiteren Investoren wie Baillie Gifford, Swiss Re, M&G und dem Silicon-Valley-Investor John Doerr. Damit wurde Climeworks zum Unicorn.

Der Kostenstreit

Hier liegt der Kern der Debatte. Direct Air Capture ist heute pro Tonne CO2 um ein Vielfaches teurer als andere Massnahmen wie Aufforstung oder der Umstieg auf erneuerbare Energien. Kritiker argumentieren, das Geld wäre anderswo wirksamer eingesetzt. Befürworter halten dagegen: Jede grundlegend neue Technologie ist am Anfang teuer — von Solarzellen bis Batterien —, und ohne Pioniere, die investieren, sinken die Kosten nie. Beide Seiten haben recht. Die entscheidende Frage ist nicht, ob es heute teuer ist, sondern wie schnell der Preis fällt.

Warum die Technologie trotzdem gebraucht wird

Nahezu alle seriösen Klimamodelle kommen zum selben Schluss: Vermeidung allein reicht nicht mehr, um die Ziele zu erreichen. Ein Teil des bereits ausgestossenen CO2 muss der Atmosphäre wieder entzogen werden. Direct Air Capture ist eine der wenigen Methoden, die das dauerhaft und in grossem Massstab könnten. Das macht Climeworks strategisch bedeutsam — unabhängig davon, ob das Unternehmen am Ende selbst der grosse Gewinner ist oder vor allem einen Markt eröffnet hat, in dem andere nachziehen.

Der Markt für CO2-Entfernung

Der Markt für hochwertige CO2-Entfernung ist jung, wächst aber rasant. Grosse Konzerne — von Tech bis Finanz — haben sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt und suchen nach Wegen, ihre unvermeidbaren Emissionen glaubwürdig auszugleichen. Sie sind bereit, für verlässliche Entfernung Aufpreise zu zahlen, die vor wenigen Jahren undenkbar waren. Climeworks hat sich früh prominente Abnehmer gesichert und damit bewiesen, dass zahlungskräftige Nachfrage existiert. Die Frage ist nicht, ob der Markt kommt, sondern wie gross er wird — und wie schnell.

Die Skalierungsfrage

Entscheidend wird, ob Climeworks den Sprung von einzelnen Pilotanlagen zu industrieller Grösse schafft — und dabei die Kosten drückt. Die Hebel sind bekannt: grössere Anlagen, günstige erneuerbare Energie und effizientere Filtermaterialien. Gelingt diese Skalierung, entsteht ein Milliardenmarkt mit Climeworks als etabliertem Pionier. Gelingt sie zu langsam, drohen Konkurrenten mit anderen Verfahren oder günstigeren Prozessen vorbeizuziehen. Es ist ein Rennen gegen die Zeit und gegen die eigene Kostenkurve.

Kritik und Verantwortung

Climeworks muss sich auch unbequemen Fragen stellen. Manche warnen, die Aussicht auf spätere CO2-Entfernung könnte dazu verleiten, heute weniger konsequent zu vermeiden. Diese Sorge ist berechtigt: Direct Air Capture darf keine Ausrede werden, sondern muss zusätzlich zur Vermeidung wirken. Das Unternehmen betont das selbst — doch die Glaubwürdigkeit der ganzen Branche hängt davon ab, dass dieses Versprechen eingehalten wird. Transparenz über Kosten, Wirkung und Grenzen ist hier keine Kür, sondern Pflicht.

Unsere Einordnung

Direct Air Capture ist heute teuer, das ist die ehrliche Wahrheit. Aber jemand muss die Technologie skalieren, damit sie günstiger wird — sonst bleibt sie für immer ein Laborversprechen. Climeworks ist bereit, dieses Risiko zu tragen, und hat sich als Pionier eine starke Position erarbeitet. Unsere Einschätzung: Der Erfolg hängt weniger an der Technik als am Tempo der Kostensenkung und an der Disziplin, die Vermeidung nicht zu vernachlässigen. Wenn die Wette aufgeht, spielt das Unternehmen in einer eigenen Liga. Wenn nicht, hat es zumindest einen ganzen Markt eröffnet — und das ist mehr, als die meisten je erreichen.

Zum Startup

Name
Climeworks
Phase
Growth
Letzte Runde
USD 650 Mio. (Equity, 2022)
Kanton
Zürich

Quelle: crunchbase.com

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