ClearSpace holt ESA-Vertrag für Phoenix – das EPFL-Spin-off will Satelliten im Orbit ein zweites Leben geben

- ClearSpace hat mit der ESA einen Vertrag für die nächste Phase seiner Mission Phoenix unterzeichnet.
- Phoenix soll an Satelliten im geostationären Orbit andocken und Antrieb sowie Lageregelung übernehmen.
- Finanziert wird die Phase aus dem ESA-Programm ARTES. Das gesamte Phoenix-Programm wird auf rund EUR 100 Mio. geschätzt.
- Das EPFL-Spin-off wurde 2018 in der Schweiz gegründet und hat seinen Hauptsitz heute in Luxemburg.
ClearSpace hat bei der Europäischen Weltraumorganisation ESA den nächsten Vertrag für seine Mission Phoenix unterschrieben. Die Idee: Satelliten, denen der Treibstoff ausgeht, nicht verschrotten, sondern im Orbit weiterbetreiben. Für das EPFL-Spin-off ist das ein wichtiger Schritt vom Forschungsprojekt zum Geschäft.
Was passiert ist
Am 23. September hat ClearSpace den Vertrag mit der ESA bekannt gemacht. Er deckt die nächste Phase von Phoenix ab. Dabei geht es um die Missionsarchitektur und um die Kerntechnik: Anflug, Nahbereichsmanöver, Andocken und Servicing. Genau diese Fähigkeiten braucht es, damit aus einer Demo einmal ein kommerzieller Dienst wird.
Bezahlt wird die Phase aus der Programmlinie Industrial Competitiveness des ESA-Programms ARTES. Den Wert des Vertrags nennt ClearSpace nicht. Das gesamte Phoenix-Entwicklungsprogramm schätzt die Firma aber auf rund EUR 100 Mio. Die Vorarbeit lief bisher über ClearSpace Luxembourg, unterstützt von der Luxemburger Regierung und der Luxembourg Space Agency.
Wer dahintersteht
ClearSpace ist ein Spin-off des Space Center der EPFL. Forschende arbeiteten dort ab 2012 im Projekt CleanSpace One an Systemen, um Weltraumschrott einzufangen. 2018 gründeten sie daraus ClearSpace. Die Schweizer Gesellschaft ClearSpace SA ist in Renens im Kanton Waadt eingetragen. Laut eigener Mitteilung liegt der Hauptsitz heute in Luxemburg. Teams arbeiten in der Schweiz, in Grossbritannien, Deutschland und Luxemburg.
CEO und Mitgründer ist Luc Piguet. Er dankt in der Mitteilung der ESA, Luxemburg und den Mitgliedstaaten. Deren Unterstützung habe aus ehrgeizigen Ideen konkrete Technik gemacht. Anfang 2023 hatte ClearSpace eine Series A über EUR 26,7 Mio. abgeschlossen, angeführt von OTB Ventures und Swisscom Ventures.
Warum das Andocken der Knackpunkt ist
Satelliten im geostationären Orbit sind teuer und oft noch voll funktionsfähig, wenn der Treibstoff zur Neige geht. Phoenix setzt genau da an. Ein Servicing-Raumfahrzeug dockt an und übernimmt Antrieb und Lageregelung. So kann der Satellit seine Position halten, verschoben oder am Ende sauber entsorgt werden.
Im Zentrum steht eine neue Andock-Technik von ClearSpace. Sie soll eine sichere, berechenbare mechanische Verbindung herstellen, vom ersten Kontakt bis zur festen Kopplung. Und sie soll mit verschiedenen Satellitenplattformen funktionieren. Das ist für das Geschäftsmodell zentral: Die Flotte im GEO ist bunt gemischt. Phoenix ergänzt zwei weitere Missionen im Portfolio: ClearSpace-1, die Mission der ESA zur aktiven Entfernung von Weltraumschrott, und PRELUDE für Inspektion und Nahbereichsmanöver.
Unsere Einordnung
Das ist ein starkes Signal. Weltraumschrott aufräumen ist sinnvoll, aber ein schwieriges Geschäft, weil selten jemand direkt dafür bezahlt. Satelliten länger am Leben halten ist anders. Da gibt es Betreiber mit handfestem Interesse und Budgets. Mit Phoenix bewegt sich ClearSpace also näher an zahlende Kundschaft. Das ist die richtige Richtung.
Etwas Wehmut bleibt trotzdem. Die Technik stammt aus der EPFL, das Geld und der Hauptsitz sitzen inzwischen in Luxemburg. Das zeigt, wie aktiv andere Länder um Raumfahrt-Firmen werben. Für die Schweiz heisst das: Wer Spin-offs wie ClearSpace halten will, braucht mehr als gute Hochschulen. Er braucht auch eine Raumfahrtpolitik, die Aufträge und Kapital bündelt. Für ClearSpace selbst gilt: Jetzt muss das Andocken im All sitzen. Dann wird aus einem Vorzeigeprojekt ein echtes Geschäft.
Quelle: clearspace.today
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