Bewe holt CHF 250'000 von Biopôle – das Handyspiel gegen den Heisshunger geht in die Klinik

- Biopôle SA vergibt an Bewe den Pre-Clinical Top-Up: ein Wandeldarlehen über CHF 250'000.
- Bewe hat zuvor CHF 2 Mio. von Investoren wie Arcanys Ventures, Capital Risque Fribourg, Kickfund, FIT und Swisspreneur eingesammelt.
- Das Uni-Fribourg-Spin-off testet seine Spiel-Therapie neu in Kombination mit Abnehmmedikamenten – mit Stanford und dem Centre Pluridisciplinaire Neuchâtelois de l'Obésité.
- In den nächsten zwölf Monaten starten Studien in den USA und der Schweiz sowie eine KI-gestützte Digital-Twin-Plattform.
Ein Handyspiel als Therapie gegen Übergewicht klingt nach Wellness-App. Bewe will genau das Gegenteil beweisen – mit klinischen Daten.
Was passiert ist
Biopôle SA hat dem Uni-Fribourg-Spin-off Bewe den Pre-Clinical Top-Up zugesprochen: ein Wandeldarlehen über CHF 250'000. Das Instrument richtet sich an Startups auf dem Biopôle-Campus, die hohe Kosten für klinische Validierung stemmen müssen – und setzt voraus, dass extern bereits Geld geflossen ist.
Diese Bedingung erfüllt Bewe: Die Firma hat nach eigenen Angaben CHF 2 Mio. von einer Reihe von Investoren eingesammelt, darunter Arcanys Ventures, Capital Risque Fribourg, Kickfund, die Fondation pour l'Innovation et la Technologie (FIT) und Swisspreneur.
Was Bewe macht
Bewe ist 2021 als Neuria aus dem Laboratory of Neurorehabilitation Sciences der Universität Freiburg hervorgegangen und firmiert seit dem Namenswechsel als Bewe Lab SA. Geführt wird die Firma von CEO Frédérik Plourde, wissenschaftlicher Kopf ist Mitgründer Prof. Lucas Spierer. Der Hauptsitz liegt in Fribourg, dazu kommt ein Standort auf dem Biopôle-Campus in Epalinges.
Die Technologie ist ein patentiertes neurokognitives Motoriktraining, ausgeliefert als Handyspiel. Im Spiel "The Diner" müssen Spielende gesunde Lebensmittel so schnell wie möglich antippen und ungesunde konsequent stehen lassen. Durch Wiederholung soll sich die Reaktion des Belohnungssystems auf problematische Reize verschieben. Nicht Willenskraft, sondern Konditionierung. Zielbereiche sind ungesunde Lebensmittel, Tabak und Alkohol.
Wofür das Geld gedacht ist
Bewe finanziert damit eine Reihe klinischer Studien – und zwar zur spannendsten Frage überhaupt: Was passiert, wenn man die digitale Therapie mit Abnehmmedikamenten kombiniert? Partner sind Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Stanford University sowie das Centre Pluridisciplinaire Neuchâtelois de l'Obésité, eine Adipositas-Klinik in Neuenburg. Untersucht wird, ob Verhaltenstherapie die Langzeitergebnisse verbessert und den Gewichtsanstieg nach dem Absetzen der Medikamente bremst.
Im kommenden Jahr sollen die ersten Patientinnen und Patienten in den US- und Schweizer Studien eingeschlossen werden. Parallel startet eine KI-gestützte Digital-Twin-Plattform, die die kognitiven Interventionen personalisieren soll. Längerfristig will Bewe eine Million Nutzerinnen und Nutzer erreichen und über Adipositas hinaus zu Alkohol und Nikotin ausweiten – in der Schweiz, Europa, Grossbritannien und den USA.
Unsere Einordnung
CHF 250'000 sind wenig Geld. Diese Meldung ist trotzdem wichtiger, als der Betrag vermuten lässt – wegen der Fragestellung.
Die neue Generation der Abnehmmedikamente hat ein bekanntes Problem: Setzen Patientinnen und Patienten ab, kommt das Gewicht meist zurück. Das Medikament verändert den Appetit, aber nicht das Verhalten dahinter. Genau in diese Lücke zielt Bewe. Wer belegen kann, dass ein digitales Training den Rückfall abfedert, hat kein Wellness-Produkt mehr, sondern etwas, das Kostenträger und Pharmafirmen interessiert. Das ist eine der klügeren Positionierungen, die wir dieses Jahr in der Schweizer Digital-Health-Szene gesehen haben.
Bemerkenswert ist auch der Weg dorthin. Bewe hat zuerst das Investment Readiness Programme und den Start-Up Fund von Biopôle durchlaufen, bevor der Top-Up kam. Das ist Schweizer Innovationsförderung, wie sie funktionieren soll: nicht ein einmaliger Scheck, sondern eine Kette, die eine Firma über Jahre begleitet und deren nächste Stufe erst aufgeht, wenn private Investoren mitziehen.
Die Messlatte liegt jetzt aber hoch. Eine Million Nutzerinnen und Nutzer und drei Suchtfelder in vier Märkten – das ist ambitioniert für ein Team dieser Grösse. Entscheidend wird nicht die Vision, sondern das Studienergebnis. Kommt es sauber, ist Bewe eine der interessantesten Firmen der Westschweiz. Kommt es nicht, bleibt ein hübsches Spiel.
Zum Startup
- Name
- Bewe Lab
- Phase
- Seed
- Letzte Runde
- CHF 250'000 (Wandeldarlehen, Biopôle Pre-Clinical Top-Up, 2026)
- Kanton
- Freiburg
Quelle: biopole.ch
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