Bruker steigt bei Atinary ein – das Lausanner Labor-KI-Startup bekommt einen Nasdaq-Partner

- Bruker Corporation (Nasdaq: BRKR) hat eine Minderheitsbeteiligung an Atinary Technologies erworben, der Betrag wurde nicht offengelegt.
- Gleichzeitig weiten beide Seiten ihre Zusammenarbeit rund um selbstfahrende Labore aus.
- Atinary integriert Chemspeed-Laborrobotik, Bruker-Analysegeräte und SciY-Software in seine KI-Workflows.
- Atinary betreibt mit Chemspeed ein gemeinsames Demolabor bei Basel; das eigene Self-Driving Lab in Boston öffnete Anfang 2026.
Ein Nasdaq-Konzern kauft sich bei einem Labor-KI-Startup mit Lausanner Wurzeln ein. Bruker hat eine Minderheitsbeteiligung an Atinary Technologies erworben und weitet gleichzeitig die Zusammenarbeit aus. Der Betrag bleibt geheim.
Was passiert ist
Bruker Corporation hat die strategische Zusammenarbeit mit Atinary Technologies Inc. ausgeweitet und sich zugleich mit einer Minderheitsbeteiligung eingekauft. Finanzielle Details nennt die Mitteilung nicht.
Zur Einordnung des Standorts: Atinary Technologies Inc. hat laut eigener Mitteilung den Hauptsitz in Menlo Park, Kalifornien, und betreibt Standorte in Boston und Lausanne. Die Firma wurde 2019 von Hermann Tribukait und Loïc Roch gestartet, den Begriff Self-Driving Labs prägten die beiden bereits 2017. Der Waadtländer Standort ist damit kein Nebenschauplatz, sondern Teil der Gründungsgeschichte.
Wer investiert
Bruker ist an der Nasdaq unter BRKR gelistet und baut Analysegeräte für Life Science, Materialforschung und Diagnostik. Zum Konzern gehört seit einiger Zeit auch Chemspeed, der Schweizer Spezialist für Laborautomation mit Sitz in der Region Basel. Bernd Gleixner, Präsident der Chemspeed-Division, nennt die Beteiligung einen Schritt, um Analysetechnik, Laborautomation, Software und KI-gesteuertes Experimentieren zusammenzuführen.
Konkret will Atinary Chemspeed-Roboterplattformen, Bruker-Analysegeräte und die SciY-Software fest in seine KI-Workflows einbauen. Ein gemeinsames Demonstrationslabor betreiben Atinary und Chemspeed bereits am Chemspeed-Hauptsitz bei Basel.
Was ein selbstfahrendes Labor ist
Die Idee ist einfach erklärt und schwer umzusetzen. Statt dass ein Mensch entscheidet, welches Experiment als nächstes läuft, plant eine KI die Versuchsreihe, ein Roboter führt sie aus, ein Messgerät analysiert direkt in der Anlage, und das Ergebnis fliesst sofort in die nächste Planung. Design, Make, Test, Analyze, Learn – als geschlossene Schleife ohne Wartezeit dazwischen.
Atinarys Lab in Boston kombiniert dafür Chemspeed-Robotik mit einem Bruker-Benchtop-NMR und Geräten weiterer Hersteller. Der Fokus liegt auf Synthese kleiner Moleküle und Katalyse für die Pharmaforschung. Wissenschaftlicher Berater ist MIT-Professor Stephen Buchwald, dessen Name in der Kreuzkupplungs-Chemie ein Begriff ist. Der Nebeneffekt ist mindestens so wertvoll wie das Ergebnis: Solche Anlagen erzeugen saubere, reproduzierbare Datensätze – genau das, woran es beim Training chemischer KI-Modelle bisher hapert.
Unsere Einordnung
Wir halten das für den interessanteren Deal-Typ. Kein Geldregen mit Bewertungssprung, sondern ein strategischer Einstieg mit Vertriebs- und Integrationslogik dahinter. Atinary bekommt Zugang zu Geräten, Kunden und einem Konzernnamen. Bruker sichert sich die Software-Schicht über der eigenen Hardware, bevor es jemand anderes tut.
Der intransparente Betrag stört uns trotzdem. Ohne Zahl lässt sich nicht beurteilen, ob hier eine Wachstumsfinanzierung oder eine Vorstufe zur Übernahme läuft. Und die Standortfrage ist ehrlich zu benennen: Der juristische Hauptsitz liegt in Kalifornien, nicht in der Waadt. Für den Schweizer Deeptech-Standort bleibt trotzdem ein handfester Gewinn – Lausanne und die Chemspeed-Anlage bei Basel sitzen mitten in einer Wertschöpfungskette, die gerade weltweit gebaut wird.
Zum Startup
- Name
- Atinary Technologies
- Phase
- Seed
- Letzte Runde
- Strategische Minderheitsbeteiligung von Bruker (2026, Betrag nicht offengelegt)
- Kanton
- Waadt
Quelle: biospace.com
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