Arrhenius holt Seed-Kapital für CO2-Entfernung mit Mikroalgen

- Die Arrhenius AG aus Horw LU hat eine Seed-Finanzierungsrunde abgeschlossen. Die Höhe nennt das Startup nicht.
- Investoren sind die CTA AG aus Münsingen BE, die YOUNG VENTURES AG aus Cham ZG sowie die Business Angels Thomas Krumbeck und Ralf Wildenhues.
- Mikroalgen binden in Photobioreaktoren CO2 aus der Luft; die kohlenstoffreiche Biomasse wird getrocknet und unterirdisch gelagert.
- Geplant sind eine 500 Quadratmeter grosse Pilotanlage und die erste kommerzielle Anlage im Ausland.
Algen statt Bäume: Das Luzerner Cleantech-Startup Arrhenius hat eine Seed-Runde abgeschlossen und will damit vom Labor in die Pilotanlage. Den Betrag verschweigt es – die Investoren nicht.
Was passiert ist
Die Arrhenius AG mit Sitz in Horw hat neue Investoren an Bord geholt. Mit dem frischen Kapital plant das 2023 gegründete Unternehmen den nächsten Schritt: eine Pilotanlage von 500 Quadratmetern. Dort soll die Negativemissionstechnologie unter realen Betriebsbedingungen laufen – nicht mehr im Testaufbau. Parallel bereitet Arrhenius den Bau seiner ersten kommerziellen Anlage im Ausland vor.
Zur Höhe der Finanzierung macht das Startup keine Angaben. Das ist bei Seed-Runden in der Schweiz üblich, hilft der Einordnung aber nicht.
Wer investiert
In der Runde engagieren sich die CTA AG aus Münsingen BE, die YOUNG VENTURES AG aus Cham ZG sowie die Business Angels Thomas Krumbeck und Ralf Wildenhues. Kein Klima-Fonds, kein internationaler VC – sondern industrienahes Schweizer Geld. Arrhenius betont, die neuen Geldgeber brächten Erfahrung aus Unternehmertum, Industrie und Klimatechnologien mit.
Wie die Technologie funktioniert
Arrhenius kultiviert Mikroalgen in Photobioreaktoren. Sonnenlicht liefert die Energie, Nährstoffe aus Abwasser den Rest. Während der Photosynthese binden die Algen Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Die entstehende Biomasse besteht zu über 50 Prozent aus Kohlenstoff. Sie wird getrocknet und langfristig unterirdisch gelagert.
Der Reiz des Ansatzes liegt in der Bilanz der Zutaten: Die Energie kommt von der Sonne, die Nährstoffe aus einem Abfallstrom. Das unterscheidet Arrhenius von Direct-Air-Capture-Anlagen, die viel Strom oder Wärme brauchen. Das Unternehmen ist ein Spin-off der Hochschule Luzern.
Unsere Einordnung
Der spannendste Satz dieser Meldung ist nicht die Finanzierung, sondern die Investorenliste. CTA und YOUNG VENTURES sind keine Klima-Wetten aus dem Lehrbuch, sondern Schweizer Industriekapital. Genau das braucht eine Technologie, die am Ende nicht Software ausliefert, sondern gebaute Anlagen. Wer 500 Quadratmeter Photobioreaktoren hinstellen und danach im Ausland skalieren will, braucht Leute, die Anlagenbau kennen – nicht Leute, die Pitchdecks kennen.
Kritisch bleibt die dauerhafte Lagerung. Die Algen zu züchten ist der einfache Teil. Der Kohlenstoff muss danach hunderte Jahre unten bleiben, nachweisbar und prüfbar – sonst ist das Ganze kein CO2-Zertifikat, sondern nur eine gute Absicht. Die Pilotanlage muss also nicht nur zeigen, dass die Technik läuft, sondern dass sich die Speicherung sauber verifizieren lässt. Daran scheitern in diesem Markt mehr Firmen als an der Chemie.
Und dann ist da der Preis. CO2-Entfernung wird sich nicht über Sympathie verkaufen, sondern über Franken pro Tonne. Solange Arrhenius weder Rundengrösse noch Zielkosten nennt, bleibt die zentrale Frage offen. Der nächste ehrliche Meilenstein wäre nicht die nächste Runde, sondern eine Zahl: Was kostet die Tonne aus der Pilotanlage? Wir hören gern zu, wenn sie kommt.
Zum Startup
- Name
- Arrhenius
- Phase
- Seed
- Letzte Runde
- Seed-Runde (2026, Betrag nicht genannt)
- Kanton
- Luzern
Quelle: luzern-business.ch
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