Albatross landet OfferUp – die Zuger Empfehlungs-KI schafft den Sprung in die USA

- Der US-Marktplatz OfferUp setzt nach einem Pilot langfristig auf die Echtzeit-Empfehlungen von Albatross.
- Im A/B-Test stieg das Engagement im Homepage-Feed um 84 Prozent, die Kaufabsichten um 15 Prozent.
- Albatross wurde 2024 von den Ex-Amazon-KI-Leuten Kevin Kahn und Matteo Ruffini sowie Johan Boissard gegründet.
- Investoren sind MMC Ventures, Redalpine und Daphni. Zuvor ging Albatross bereits beim spanischen Marktplatz Wallapop live.
Albatross hat seinen ersten grossen Kunden in den USA. Der Kleinanzeigen-Marktplatz OfferUp setzt nach einem Pilot langfristig auf die Echtzeit-KI des jungen Startups aus Baar und Zürich. Die Zahlen aus dem Test sind bemerkenswert.
Was passiert ist
Am 23. September haben Albatross und OfferUp eine langfristige Partnerschaft angekündigt. OfferUp hat seinen Sitz in Bellevue im US-Bundesstaat Washington und ist einer der grössten lokalen Marktplätze der USA. Albatross ersetzt dort die bisherigen Empfehlungen, die vor allem auf Beliebtheit oder Aktualität beruhten. Neu passt sich der Homepage-Feed bei jeder Interaktion sofort an.
Vorausgegangen war ein Pilot mit A/B-Test. Das Engagement im Homepage-Feed stieg um 84 Prozent. Die Aufrufe von Inseraten auf der ganzen Plattform legten um 19 Prozent zu. Und die Kaufabsichten, also Anfragen von Käufern an Verkäufer, stiegen um 15 Prozent. Laut CEO Kevin Kahn entdeckten die Nutzer in drei Wochen drei Millionen zusätzliche Inserate und kamen mit 131'000 zusätzlichen Verkäufern in Kontakt. OfferUp-Chief-Business-Officer Nathan Garnett nennt die ersten Resultate aussergewöhnlich.
Wer investiert
Neues Geld gibt es diesmal nicht. Hinter Albatross stehen aber bekannte Namen. Im November 2025 holte das Startup USD 12,5 Mio., angeführt von MMC Ventures. Redalpine und Daphni zogen mit. Redalpine hatte schon die erste Runde im September 2024 angeführt. Insgesamt kam Albatross damals auf USD 16 Mio.
Gegründet wurde Albatross 2024 von Kevin Kahn und Matteo Ruffini, beide früher in leitenden KI-Rollen bei Amazon, sowie dem Seriengründer Johan Boissard. Die Firma ist im Handelsregister in Baar im Kanton Zug eingetragen und hat ein Büro in Zürich.
Warum Marktplätze ein Sonderfall sind
Auf Marktplätzen wie OfferUp ist fast jedes Inserat ein Einzelstück. Stündlich kommen tausende neue dazu, viele verschwinden schnell wieder. Klassische Empfehlungssysteme tun sich damit schwer. Sie bevorzugen, was schon beliebt ist. Wer zum ersten Mal etwas verkauft, bleibt unsichtbar.
Albatross setzt auf sogenannte Perception Models. Sie lesen das Verhalten einer Person während der Sitzung und passen die Vorschläge laufend an. Kahn bringt es so auf den Punkt: Sprachmodelle verstehen Wörter, Perception Models verstehen Verhalten. Laut eigenen Angaben bedient Albatross heute über 50 Millionen Shopper pro Monat. Vor OfferUp ging die Technik beim spanischen Marktplatz Wallapop in Spanien, Italien und Portugal live.
Unsere Einordnung
Das ist die beste Art von News für ein junges KI-Startup: ein langfristiger Kunde in den USA, mit harten Zahlen belegt. Viele Schweizer KI-Firmen erzählen von Piloten. Albatross zeigt, dass aus einem Pilot eine langfristige Partnerschaft wird. Und das nicht bei irgendwem, sondern bei einer Plattform, die gemäss eigenen Angaben 2024 von mehr als jedem sechsten Erwachsenen in den USA genutzt wurde.
Zwei Dinge gefallen uns besonders. Erstens der klare Fokus auf Marktplätze statt auf «KI für alles». Zweitens der Nutzen für kleine Verkäufer, die bisher kaum gesehen wurden. Ein Vorbehalt bleibt: Die Zahlen stammen aus der eigenen Mitteilung, und A/B-Tests glänzen gern. Der echte Test ist, ob die Effekte über Monate halten. Gelingt das, hat die Schweiz hier einen ernsthaften Kandidaten für die nächste grosse Finanzierungsrunde.
Zum Startup
- Name
- Albatross
- Letzte Runde
- USD 12,5 Mio. (2025, Lead: MMC Ventures)
- Kanton
- Zug
Quelle: globenewswire.com
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