Porträt: Wie viboo aus Dübendorf Heizungen vorausschauend steuert und Gebäuden rund ein Viertel Energie spart

- viboo ist ein Spin-off von ETH Zürich und Empa und steuert Heizungen mit KI vorausschauend
- Laut Firma nutzen mehr als 130 Gebäude in der Schweiz und Deutschland die Plattform, im Schnitt sinkt der Energieverbrauch um rund 25 Prozent
- Finanzierungsrunde von EUR 3,3 Mio. im Oktober 2025 unter Führung von Realyze Ventures, mit ZKB, HTGF und Swisscom
- Seit August 2026 leitet Oliver Graf die Firma, Mitgründer Felix Bünning ist Verwaltungsratspräsident
🔎 Porträt – Zürich: Die meisten Heizungen reagieren, wenn es schon kalt ist. viboo will, dass sie vorher wissen, was kommt.
Gebäude verbrauchen viel Energie, und ein grosser Teil geht ins Heizen. viboo aus Dübendorf setzt auf Software statt auf neue Hardware. Das Spin-off von ETH Zürich und Empa lernt, wie ein Haus auf Wetter und Nutzung reagiert, und plant die Heizung voraus.
Was die Firma macht
viboo bietet ein cloudbasiertes Gebäudemanagement an, das sich drahtlos nachrüsten lässt. Die Software verbindet sich mit IoT-Geräten wie smarten Thermostaten. Sie lernt das Heizverhalten der einzelnen Räume und steuert es vorausschauend. Als Grundlage dienen Wetterprognosen, die Belegung und das thermische Verhalten jedes Raums.
Die Kundschaft sind Immobilieninvestoren, Firmen und Städte. Laut Firma nutzen heute mehr als 130 Gebäude in der Schweiz und in Deutschland die Plattform. Im Schnitt sinke der Energieverbrauch um etwa 25 Prozent. Diese Zahl stammt von viboo selbst. In der Investorenmitteilung vom Oktober 2025 war von 27 Prozent im Schnitt die Rede, bei mehr als 100 Gebäuden und über 40 Kunden. Die Zürcher Kantonalbank sprach damals von 20 bis 40 Prozent Einsparung pro Jahr.
Die Geschichte
viboo hat seine Wurzeln in der Forschung an der Empa und der ETH Zürich. Dazu kommen Arbeiten aus den Gebäudeautomations-Labors der RWTH Aachen und des Lawrence Berkeley National Lab. Als Gründer nennt die Firma Felix Bünning, Benjamin Huber und Matthias Sulzer.
Ende August 2026 gab es einen Wechsel an der Spitze. Oliver Graf übernimmt als CEO. Er ist Serienunternehmer, war Proptech-Gründer und sass im Board der Ziegert Group. Er soll die Expansion im DACH-Raum beschleunigen und weitere Märkte erschliessen. Felix Bünning bleibt als Verwaltungsratspräsident an Bord. Solche Wechsel sind in dieser Phase typisch: Die Gründer haben das Produkt gebaut, nun braucht es jemanden, der den Vertrieb skaliert.
Produkt & Technologie
Der Clou ist die Nachrüstbarkeit. Viele Gebäude haben alte Heizsysteme, aber keine Lust auf einen teuren Umbau. viboo verspricht einfache Montage und schnelle Resultate. Bünning sagt dazu, die Lösung überzeuge, weil sie leicht einzuführen sei und sofort Einsparungen bringe. Als Hardware-Partner nennt die Firma Siemens und Danfoss. Für Installation und Facility Management steht Hälg zur Seite.
Technisch ist das Prinzip einfach erklärt. Ein Gebäude reagiert träge. Wer erst heizt, wenn es kalt wird, verschwendet Energie und Komfort. Wer weiss, dass morgen ein Kälteeinbruch kommt und das Büro leer bleibt, kann gezielter steuern. Genau das übernimmt der Algorithmus für jeden Raum einzeln.
Markt & Wettbewerb
Der Markt ist klar abgesteckt. In Deutschland treibt das Gebäudeenergiegesetz die Nachfrage. Genau dorthin will viboo mit dem Geld aus der letzten Runde. Dazu kommt der Ausbau zu einem breiteren Gebäudemanagement-Werkzeug, etwa mit individueller Heizkostenabrechnung. Konkurrenz kommt aus der klassischen Gebäudeautomation und von Herstellern, die eigene Regelungen anbieten. viboo setzt auf offene Anbindung und Software-Know-how.
Finanzierung & Zahlen
Am 1. Oktober 2025 meldete der Investor HTGF eine Runde von EUR 3,3 Mio. Angeführt wurde sie von Realyze Ventures. Dabei waren die Zürcher Kantonalbank, die bestehenden Investoren HTGF und Swisscom sowie weitere neue Geldgeber. Ein anderer Branchenbericht nennt für das Jahresende 2025 eine Runde von EUR 4 Mio. Wir halten uns an die Mitteilung des Investors. Laut HTGF wuchs das Vertragsvolumen bestehender Kunden vom Winter 2023/24 zum Winter 2024/25 um das Achtfache.
Unsere Einordnung
Wir mögen viboo, weil das Versprechen messbar ist. Weniger Heizenergie ist keine Vision, sondern eine Zahl auf der Rechnung. Der Hebel ist gross, weil niemand das Gebäude umbauen muss. Das ist ein echter Vorteil in einem Markt, der zäh ist.
Offen bleibt, wie gut die Einsparungen unabhängig geprüft sind. Die Werte stammen von der Firma, und je nach Gebäude schwanken sie stark. Auch der Schritt nach Deutschland wird hart. Der neue CEO hat dafür das richtige Netzwerk im DACH-Immobilienmarkt. Wenn viboo die Zahlen mit Kunden belegt, kann daraus ein Standardwerkzeug für Bestandsgebäude werden. Wir bleiben dran.
Zum Startup
- Name
- viboo
- Phase
- Series A
- Letzte Runde
- EUR 3,3 Mio. (2025)
- Kanton
- Zürich
Quelle: htgf.de
Mehr aus der Szene
MeinungProcuros sammelt EUR 20 Mio. in Series A – Hamburger Startup will, dass KI-Agenten den B2B-Handel übernehmen
MeinungPorträt: Wie CCRAFT aus Neuenburg Chips baut, die mit Licht rechnen – und Europas Antwort auf die Photonik-Foundry sein will
Finanzierung