Porträt: Wie RheoCarti an der ETH ein Hüftimplantat mit künstlichem Knorpel baut

- RheoCarti entwickelt Gelenkimplantate aus Titan mit einer knorpelähnlichen Hydrogel-Oberfläche.
- Die Technik stammt aus dem Laboratory for Orthopaedic Technology der ETH Zürich, CEO ist Dr. Xiaoyu Du.
- Zuerst kommen Hüftimplantate für Tiere, danach für den Menschen.
- Venture Kick hat am 28. September 2026 CHF 150'000 gemeldet.
🔎 Porträt – Zürich: Ein ETH-Team will das künstliche Gelenk endlich so weich machen wie das echte – und fängt dafür bei Tieren an.
Wer ein künstliches Hüftgelenk bekommt, tauscht Knorpel gegen Metall. Das funktioniert seit Jahrzehnten. Doch für jüngere und aktive Menschen hat es Grenzen. RheoCarti aus Zürich will das ändern. Das Spin-off entwickelt Implantate aus Titan mit einer Oberfläche, die sich wie Knorpel verhält. Am 28. September 2026 wurde bekannt, dass Venture Kick das Team mit CHF 150'000 unterstützt.
Was die Firma macht
RheoCarti beschreibt sich als orthopädisches Projekt, das aus der ETH Zürich stammt. Es entwickelt Gelenkimplantate der nächsten Generation. Die Idee: eine tragende Struktur aus Titan, darauf eine Schicht aus Hydrogel. Das Hydrogel soll wie natürlicher Knorpel wirken, also Reibung senken und Stösse dämpfen. Die Technik ist zum Patent angemeldet und soll für Tiere und Menschen taugen.
Die Geschichte
Hinter RheoCarti steht Dr. Xiaoyu Du als CEO. Der Hintergrund: Materialwissenschaft und Biomedizintechnik, Doktorat in Biomechanik an der ETH Zürich. Als wissenschaftlicher Berater steht Prof. Dr. Stephen Ferguson im Team. Er leitet das Laboratory for Orthopaedic Technology an der ETH, in dem die Technik entstanden ist.
Dazu kommen ein klinischer Berater, Dr. Sebastian Christoph Knell, ein erfahrener orthopädischer Chirurg mit Tierarzt-Facharzttitel, sowie Martino Valsangiacomo als Engineering Lead und Raphael Zehnder, der die Hüftimplantate optimiert und die präklinische Prüfung leitet. Das Team deckt also Materialien, Konstruktion und Klinik ab. Für ein junges Medtech-Projekt ist das eine gute Mischung.
RheoCarti ist ein ETH Pioneer Fellow 2026. Das Stipendium soll den Weg vom Labor zur präklinischen Prüfung ebnen. Zusätzlich profitiert das Team laut eigener Website vom Startup-Coaching von Innosuisse. Investoren und strategische Partner sucht es aktiv.
Produkt und Technologie
Das Problem, das die ETH-Gruppe angeht: Heutige Hüftimplantate bilden die Funktion von Knorpel nicht nach. Bei jüngeren, aktiven Patientinnen und Patienten treten nach den Angaben der Pioneer-Fellowship-Seite häufiger Revisionen auf. Genannt werden Lockerung ohne Infekt, Instabilität, Verschleiss und Infektionen. Eine Revision heisst eine zweite Operation, und die ist für alle Beteiligten belastend.
Das Titan-Hydrogel-Konzept setzt an der Gleitfläche an. Weicheres, wasserreiches Material soll Kräfte abfedern und weniger Abrieb erzeugen. Ob das im Körper über Jahre hält, ist die grosse offene Frage. Genau dafür ist die präklinische Validierung da, in die das Team gerade einsteigt.
Markt und Wettbewerb
Der Weg zum Markt ist bewusst zweistufig. Zuerst kommt die Tierorthopädie, konkret der Hüftersatz bei Tieren. Nach Aussage des Teams lässt sich dort schneller klinisch validieren. Das Team will mit führenden Tierkliniken und Chirurgen zusammenarbeiten, Herstellung und Marktzugang aufbauen und erst danach in die Humanmedizin übersetzen.
Das ist ein bewährtes Muster in der Medtech-Welt: erst beweisen, dann skalieren. Der Humanmarkt für Gelenkersatz ist gross und von etablierten Herstellern besetzt. Wer dort mitspielen will, braucht harte Daten. Die Tiermedizin kann sie nach Plan des Teams früher liefern. Konkrete Umsatzzahlen oder Marktgrössen nennt RheoCarti nicht, und wir erfinden keine.
Finanzierung
Venture Kick hat CHF 150'000 gemeldet. Zur Einordnung: Das Programm zahlt in drei Stufen aus, mit CHF 10'000, CHF 40'000 und CHF 100'000. Die CHF 150'000 sind die Summe aller drei Stufen. Das Geld soll laut Team helfen, die Mannschaft zu stärken, die Fertigungsreife voranzubringen und den Markt zu entwickeln. Weitere Runden oder Investoren sind öffentlich nicht bekannt.
Unsere Einordnung
Wir mögen diese Geschichte. Sie hat einen echten medizinischen Bedarf, eine klare Forschungsbasis und einen ehrlichen Plan. Die Tierklinik als Startrampe ist kein Ausweichmanöver, sondern gutes Handwerk.
Das Risiko liegt in der Zeit. Implantate brauchen Jahre, Daten und Geduld. Ein Team mit CHF 150'000 kommt weit, aber nicht bis zur Zulassung. Der nächste Schritt entscheidet: Findet RheoCarti bald Klinikpartner und einen Investor, der medizinische Fristen versteht? Dann kann aus dem Labor eine Firma werden, die Gelenke wirklich verändert.
Zum Startup
- Name
- RheoCarti
- Phase
- Pre-Seed
- Letzte Runde
- CHF 150'000 (Venture Kick, 2026)
- Kanton
- Zürich
Quelle: venturekick.ch
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