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Porträt: Wie GlycoEra aus Wädenswil Autoantikörper mit Zuckerchemie aus dem Blut holen will

Redaktion·23. Okt. 2026·5 Min.
Porträt: Wie GlycoEra aus Wädenswil Autoantikörper mit Zuckerchemie aus dem Blut holen will
In 30 Sekunden gelesen
  • GlycoEra ist eine Ausgründung von LimmaTech Biologics und sitzt in Wädenswil; laut Top-100-Profil wurde die Firma im Dezember 2020 gegründet.
  • Die CustomGlycan-Plattform nutzt Glykoengineering, um extrazelluläre Proteine wie Autoantikörper gezielt abzubauen.
  • Das Leitprogramm GE8820 zielt auf pathogene IgG4-Autoantikörper.
  • Im Mai 2025 folgte eine überzeichnete Series B über USD 130 Mio. unter Lead von Novo Holdings; zuvor gab es im Oktober 2021 eine Series A über CHF 45 Mio.

🔎 Porträt – Wädenswil: Wie ein Ableger von LimmaTech Biologics mit Zuckerchemie Autoimmunerkrankungen an der Wurzel packen will.

Die meisten Medikamente gegen Autoimmunerkrankungen dämpfen das Immunsystem. GlycoEra will etwas anderes: die schädlichen Eiweisse selbst aus dem Blut holen. Dafür hat das Biotech aus Wädenswil im Mai 2025 USD 130 Mio. eingesammelt. Zeit für einen genaueren Blick.

Was die Firma macht

GlycoEra entwickelt Biologika für die Präzisionsimmunologie. Die Wirkstoffe sollen zirkulierende Proteine gezielt abbauen, vor allem Autoantikörper. Laut Website will die Firma damit die Ursache vieler Autoimmunerkrankungen angehen. Die Idee ist breiter gedacht: Die Plattform liesse sich auch auf andere zirkulierende Proteine anwenden, etwa Proteinaggregate bei neurologischen Erkrankungen.

Die Technologie heisst CustomGlycan. Sie beruht auf Glykoengineering, also dem gezielten Design von Zuckerstrukturen an Proteinen. Die Wirkstoffe sind bispezifische Degrader. Vereinfacht: Ein Teil erkennt das Zielprotein, ein zweiter Teil sorgt dafür, dass der Körper es abbaut. Hergestellt werden sie laut Firma in einem einstufigen rekombinanten Verfahren statt über mehrstufige chemische Synthese.

Die Geschichte

GlycoEra wurde laut Top-100-Profil im Dezember 2020 gegründet. Sie ist eine Ausgründung von LimmaTech Biologics, die auch Aktionärin blieb. Als Mitgründer nennt die Firma Veronica Gambillara Fonck, die als CEO startete, und Amir Faridmoayer, der für die Wissenschaft steht. Im Oktober 2021 folgte die Series A über CHF 45 Mio. (USD 49 Mio.). Gemeinsam angeführt wurde sie von 5AM Ventures, Roche Venture Fund und Sofinnova Partners.

Im Mai 2022 wechselte die Spitze. Ganesh Kaundinya wurde President und CEO. Er sass seit der Gründung im Verwaltungsrat. Zuvor hatte er Momenta Pharmaceuticals mitgegründet. Johnson & Johnson übernahm Momenta 2020 für USD 6,5 Mrd. Am MIT arbeitete er an Sequenzierungstechnologien für komplexe Zucker. 2026 holte GlycoEra mit Petra Duda eine neue Chief Medical Officer und mit Andrea Matthews eine Chief Business Officer. Das Unternehmen ist in Wädenswil zu Hause und hat Büros und Labore in Newton im US-Bundesstaat Massachusetts.

Produkt & Technologie

Das Leitprogramm heisst GE8820. Es richtet sich gegen pathogene IgG4-Autoantikörper. IgG4 ist eine Unterklasse von Antikörpern, die bei bestimmten Autoimmunerkrankungen den eigenen Körper angreift. Die Firma nennt als mögliche Einsatzgebiete Pemphigus, MuSK-Myasthenie, primäre membranöse Nephropathie und Autoimmun-Enzephalitis. Präklinisch zeigte der Wirkstoff laut Firma eine tiefe und anhaltende Senkung von IgG4. Das Ziel: schnell, tief und selektiv wirken, ohne das Immunsystem zu unterdrücken.

Die ersten Studien am Menschen waren im Mai 2025 für dasselbe Jahr geplant. Wie weit sie heute sind, haben wir nicht verifiziert. Das ist der Punkt, den man als Nächstes beobachten sollte.

Markt & Wettbewerb

Protein-Degrader sind ein Thema, das die Branche beschäftigt. Die Fachpresse sprach bei der Series B von wachsendem Interesse an diesem Ansatz. Der Reiz liegt auf der Hand: Statt das ganze Immunsystem zu bremsen, entfernt man gezielt, was schadet. Klassische Immunsuppression bringt Nebenwirkungen mit sich. Eine präzise Alternative wäre für Patientinnen und Patienten ein grosser Fortschritt. Eine belastbare Wettbewerbsliste liefern wir hier bewusst nicht, weil uns die Datenbasis dafür fehlt.

Finanzierung & Zahlen

Am 27. Mai 2025 meldete GlycoEra eine überzeichnete Series B über USD 130 Mio. Lead-Investor war Novo Holdings. Neu dabei sind Catalio Capital Management, LifeArc Ventures, QIA, Agent Capital, MP Healthcare Venture Management (eine Tochter von Mitsubishi Tanabe Pharma) und Sixty Degree Capital. Dazu kommen die bestehenden Investoren Sofinnova Partners, 5AM Ventures, Roche Ventures und Bristol Myers Squibb.

Das Geld soll das Leitprogramm bis zu klinischen Daten bei Patienten bringen. Ein zweites Programm soll in die Klinik, und die Pipeline für extrazelluläre Degrader wird ausgebaut. Neu im Verwaltungsrat sind Max Klement von Novo Holdings, Matthew Hobson von Catalio und Sohaib Mir von LifeArc Ventures.

Unsere Einordnung

GlycoEra zeigt, wie Schweizer Biotech aussehen kann, wenn es klappt: eine klare Plattform, ein Leitprogramm mit scharfem Ziel und Geldgeber aus Pharma, Stiftungsfonds und Staatsfonds. Die Runde von USD 130 Mio. ist ein starkes Signal. Sie sagt aber noch nichts über den Wirkstoff aus.

Die Wahrheit kommt aus der Klinik. Erst Daten bei Patienten zeigen, ob der Abbau von IgG4 den Unterschied macht. Bis dahin ist GlycoEra eine der spannendsten Wetten im Schweizer Biotech-Cluster, und eine, bei der wir gern genau hinschauen.

Zum Startup

Name
GlycoEra
Phase
Series B
Letzte Runde
USD 130 Mio. (Series B, 2025)
Kanton
Zürich
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Quelle: sofinnovapartners.com

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