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Porträt: Wie Gaia Turbine aus Lugano Wasserkraft dort erschliesst, wo grössere Turbinen scheitern

Redaktion·23. Okt. 2026·4 Min.
Porträt: Wie Gaia Turbine aus Lugano Wasserkraft dort erschliesst, wo grössere Turbinen scheitern
In 30 Sekunden gelesen
  • Gaia Turbine SA wurde im Juni 2020 in Lugano gegründet und baut eine Plug-and-play-Wasserturbine mit über 90 Prozent Wirkungsgrad.
  • Die Turbine ist für Mini- und Mikrokraftwerke, Aquaedukte und Restwasserstrecken gedacht; die Technik wurde 2021 vom Politecnico di Milano validiert.
  • Ein erster Pilot läuft am Netz der Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB).
  • Finanziert ist die Firma durch eine Seed-Runde von CHF 1 Mio. (2023, TiVentures und Business Angels) und weitere EUR 1,15 Mio. im März 2025.

🔎 Porträt – Lugano: Eine kleine Turbine für kleine Wassermengen – und die Frage, ob aus vielen kleinen Standorten ein grosses Geschäft wird.

Wasserkraft denkt man meist gross: Staumauern, Seen, Kavernen. Gaia Turbine aus dem Tessin schaut auf das Gegenteil. Das Startup will Strom dort erzeugen, wo Wasser nur in kleinen Mengen fliesst und grössere Anlagen nicht funktionieren.

Was die Firma macht

Gaia Turbine baut ein Plug-and-play-Wasserturbinensystem für Mikro- und Minikraftwerke. Es arbeitet über unterschiedliche Durchflussmengen und Fallhöhen hinweg effizient und lässt sich ohne grosse Infrastruktur schnell installieren. Der Wirkungsgrad liegt laut Firmenwebsite bei 80 bis 90 Prozent, und zwar in weiten Betriebsbereichen.

Die Einsatzgebiete sind klar umrissen: Aquaedukte und Mindestrestwasserstrecken. Bei Letzteren muss nach einer Wasserentnahme eine Mindestmenge im Bach bleiben. Genau dort fliesst oft Wasser, das niemand nutzt. Mit der Mission der Firma geht es darum, Wasserkraft auch im Kleinstmassstab zugänglicher, effizienter und nachhaltiger zu machen.

Die Geschichte

Gaia Turbine SA wurde laut Top-100-Profil im Juni 2020 gegründet und sitzt in Lugano. Die Idee stammt vom Erfinder Franco Tommasini, der als Mitgründer und CTO genannt wird. Die Leitung hat laut einer Meldung von 2023 Calogero Amato. Beteiligt sind ausserdem junge Unternehmerinnen und Unternehmer sowie lokale Fachleute. 2021 validierte das Politecnico di Milano die Technologie.

Produkt & Technologie

Der erste Pilot läuft bei der Azienda Multiservizi Bellinzona (AMB) und ist ans Stromnetz angeschlossen. Er startete Ende 2024. Für ein junges Hardware-Startup ist das ein wichtiger Schritt: Ein Prototyp auf dem Prüfstand ist etwas anderes als eine Anlage, die im Alltag Strom ins Netz liefert. Als nächste Pilotstandorte nennt die Firma unter anderem Wasserversorgungsnetze.

Markt & Wettbewerb

Der Markt ist eine Nische, aber eine mit klarer Logik. Kleine Standorte wie Aquaedukte oder Restwasserstrecken sind für klassische Turbinen oft unattraktiv. Eine standardisierte Turbine, die sich schnell einbauen lässt, soll genau diese Hürde senken. Wie gross das Potenzial in Franken und Kilowattstunden ist, nennt die Firma nicht, und wir erfinden keine Zahl.

Finanzierung & Zahlen

Im Februar 2023 schloss Gaia Turbine eine Seed-Runde von CHF 1 Mio. ab. Investoren waren TiVentures, der Seed-Fonds der Fondazione Centenario BancaStato, und Business Angels. Im März 2025 meldete die Firma weitere EUR 1,15 Mio. von Angels und von TiVentures. Das Geld soll die Entwicklung beschleunigen, die Marktpräsenz ausbauen und den Weg zur industriellen Produktion ebnen. Dazu sucht das Team Partnerschaften mit Unternehmen in der Schweiz und im Ausland. Mit Studierenden der Universität St.Gallen läuft zudem eine Business-Studie. 2025 stand Gaia Turbine auf der Top-100-Liste der Schweizer Startups.

Unsere Einordnung

Wir mögen den Ansatz. Er ist handfest, er passt zur Schweizer Energiewende, und er setzt auf ein Problem, das viele Gemeinden und Wasserwerke kennen. Wasser fliesst schon, die Infrastruktur steht oft schon.

Offen bleibt die Skalierung. Mit rund EUR 2 Mio. aus zwei kleinen Runden ist der Spielraum für Hardware begrenzt, und ein einzelner Pilot ist noch keine Serie. Der nächste Beweis sind mehrere Standorte mit stabilen Betriebsdaten und erste zahlende Kunden. Gelingt das, könnte aus der kleinen Turbine ein ziemlich grosses Geschäft werden.

Zum Startup

Name
Gaia Turbine
Phase
Seed
Letzte Runde
EUR 1,15 Mio. (2025)
Kanton
Tessin
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Investoren

Quelle: top100startups.swiss

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