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CSEM startet Elevate-Programm für Schweizer Deep-Tech-Startups

Redaktion·28. Sept. 2026·5 Min.
CSEM startet Elevate-Programm für Schweizer Deep-Tech-Startups
In 30 Sekunden gelesen
  • CSEM lanciert das Programm Start-up Elevate für Deep-Tech-Startups auf Pre-Series-A-Stufe.
  • Fünf Firmen pro Jahrgang erhalten CSEM-Projektleistungen im Wert von CHF 50'000 – ohne Kapitalbeteiligung.
  • Bewerbungsschluss ist Ende November 2026, die ersten Projekte starten im Januar 2027.
  • Das Programm schliesst eine Lücke zwischen Prototyp und Serienreife, die reines Kapital allein nicht löst.

🏗️ Werkstatt – Neuenburg: Fünf Deep-Tech-Startups bekommen künftig ein Jahr lang Zugriff auf die Technik-Werkstatt eines der wichtigsten Schweizer Forschungsinstitute – ganz ohne Kapitalabgabe.

Das CSEM in Neuenburg lanciert mit «Start-up Elevate» ein neues Förderprogramm für Deep-Tech-Jungfirmen. Es setzt dort an, wo vielen Startups die Mittel fehlen: bei der technischen Feinarbeit zwischen Prototyp und Serienreife.

Was CSEM ist

Das Centre Suisse d'Electronique et de Microtechnique, kurz CSEM, ist eines der grössten anwendungsnahen Forschungsinstitute der Schweiz. Mit Sitz in Neuenburg deckt es 16 technische Fokusbereiche ab, von additiver Fertigung über künstliche Intelligenz, Batterien und Photonik bis zu Quantentechnologien. Dazu kommen 14 Industriesektoren, die das Institut bedient, darunter Automobilbau, Gesundheit, Energie, Halbleiter und Raumfahrt. CSEM lebt seit Jahrzehnten von der Übersetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in industrietaugliche Technik – genau diese Kompetenz stellt es nun gezielt jungen Firmen zur Verfügung.

Was das Elevate-Programm bietet

Pro Jahrgang wählt CSEM fünf Startups aus. Jedes erhält CSEM-Projektleistungen im Wert von CHF 50'000 – keine Bareinlage, sondern konkrete Ingenieursarbeit an genau einem technischen Engpass, der die Firma gerade blockiert. CSEM betont ausdrücklich: «Elevate ist Projektunterstützung, keine Beteiligung.» Geistiges Eigentum und unternehmerische Unabhängigkeit bleiben vollständig beim Startup. Bahaa Roustom, Chief Marketing and Business Development Officer bei CSEM, bringt den Ansatz auf den Punkt: Oft brauche ein Startup vor allem direkten Zugang zu den richtigen Ingenieurinnen und Ingenieuren und zur passenden Infrastruktur, um ein konkretes Problem zu lösen.

Wer mitmachen kann

Bewerben können sich rechtlich eingetragene Firmen mit einer klar definierten technischen Fragestellung, idealerweise auf Pre-Series-A-Stufe. Der Fokus muss zu einer CSEM-Kompetenz passen und ein realistisches technisches Etappenziel erlauben. Explizit ausgeschlossen sind einzelne Gründerinnen und Gründer ohne Firma, reine Grundlagenforschung, klassisches Business-Coaching, unbeschränkte Finanzierungswünsche, Projekte ohne technischen Kern sowie Firmen, die nur Bürofläche suchen oder auf eine CSEM-Ausgründung zielen. Bewerbungsschluss ist Ende November 2026, die Jury entscheidet im Dezember, die ersten Projekte starten im Januar 2027.

Warum das für die Szene zählt

Zwischen Prototyp und Markteinführung klafft bei Deep-Tech-Firmen oft eine Lücke, die reines Kapital allein nicht schliesst: Es fehlt an Ingenieurskapazität und Spezialinfrastruktur, um eine letzte technische Hürde zu nehmen. Bestehende Programme wie Kickstart oder F10 helfen vor allem bei Markteintritt, Vernetzung und Finanzierung, ersetzen aber keine Werkbank. CSEM füllt mit Elevate genau diese Nische: Zugang zu Laboren, Messgeräten und erfahrenen Spezialistinnen und Spezialisten, die sich sonst nur grosse Konzerne oder gut finanzierte Firmen leisten können. Für ein Institut, das seit Jahrzehnten Spin-offs aus der eigenen Forschung hervorbringt, ist das eine konsequente Erweiterung der Rolle: weg vom reinen Technologietransfer aus den eigenen Labors, hin zur gezielten Unterstützung von Firmen, die anderswo entstanden sind.

Was das für angehende Bewerber konkret bedeutet

Wer CHF 50'000 an externer Ingenieursleistung selbst einkaufen müsste, zahlt bei spezialisierten Auftragsentwicklern schnell ein Vielfaches – wenn sich überhaupt ein Anbieter findet, der die nötige Nischenkompetenz mitbringt. Für ein Startup mit wenigen Angestellten kann ein einziges ungelöstes technisches Problem über Monate den Zeitplan zur nächsten Finanzierungsrunde blockieren. Genau hier setzt Elevate an: nicht als zusätzliches Kapital, sondern als konzentrierte Fachkraft-Stunden zum richtigen Zeitpunkt. Firmen aus dem Bewerberkreis müssen deshalb schon vor der Eingabe genau wissen, welches einzelne technische Problem sie lösen wollen – ein diffuses «wir brauchen generell Unterstützung» reicht laut den Kriterien explizit nicht.

Unsere Einordnung

CHF 50'000 klingt bescheiden, gemessen am tatsächlichen Wert ist das Angebot aber stark: Ingenieursstunden auf CSEM-Niveau sind kaum günstiger zu bekommen, und der Zugang zur Infrastruktur eines Spitzeninstituts lässt sich nicht einfach einkaufen. Klug ist auch der Verzicht auf eine Kapitalbeteiligung – das senkt die Hürde für Firmen, die ihre Cap Table noch schlank halten wollen, und positioniert CSEM klar als Dienstleister statt als Investor.

Der Wermutstropfen: Fünf Plätze pro Jahr sind wenig angesichts der vielen Deep-Tech-Startups zwischen Prototyp und Serienreife in der Schweiz. Wer den Zuschlag verpasst, muss weiterhin selbst finanzieren oder auf andere Förderwege ausweichen. Trotzdem ist Elevate ein sinnvoller, undogmatischer Beitrag zur Förderlandschaft – pragmatischer als viele Pitch-Wettbewerbe und näher an der eigentlichen Arbeit der Startups. Wir werden beobachten, welche fünf Firmen den ersten Jahrgang bilden und ob CSEM das Format nach der Pilotrunde ausbaut.

Quelle: csem.ch

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