Werkstatt St.Gallen: Was SFF Studio in 14 Wochen aus Berater-Ideen macht – Cedric, Underheard und Cedreon als erste Beispiele

- SFF Studio ist das Venture Studio des Swiss Founders Fund und startete seine erste Kohorte laut Meldung vom 23. Juni 2026.
- Das Programm dauert 14 Wochen; Ziel war, die Projekte bis Ende September zu eigenständigen Firmen mit erster Finanzierungsrunde zu machen.
- Cedric (KI-Teamkollege), Underheard (KI-Kundeninterviews) und Cedreon (vertrauliche KI-Arbeitsumgebung) gelten als erste Gründungen.
- Finanzierungsbeträge und Gründerteams nennen die geprüften Quellen nicht.
🏗️ Werkstatt – St.Gallen: Ein Fonds baut selbst Firmen, statt nur auf Pitches zu warten – und die ersten drei Ergebnisse sind schon am Markt.
Die meisten Investoren warten auf Gründer. Der Swiss Founders Fund geht einen anderen Weg. Er holt erfahrene Berater, Macher und Techniker in ein Programm und lässt sie in 14 Wochen eine Firma bauen. Das Modell heisst Venture Studio. Die ersten Resultate sind sichtbar.
Der Auftrag
SFF Studio versteht sich als Schweizer Venture Studio für Beraterinnen, Operatoren und technische Fachleute, die ein Unternehmen aufbauen wollen. Das Programm läuft 14 Wochen in Vollzeit, begleitet von erfahrenen Machern. Laut einer Meldung vom 23. Juni 2026 startete die erste Kohorte in dieser Woche.
Die Leitung hat Jacopo Trinca. Die SFF-Partner Patrick Degen und Christian Mischler unterstützen ihn, Paul Goth koordiniert das Programm. Mentorinnen und Mentoren kommen aus Venture Capital, Company Building, Technologie, Produktentwicklung und Fundraising. Der Fonds sitzt in St.Gallen.
Das Ziel: Bis Ende September sollten aus den Projekten eigenständige Firmen werden, bereit für eine erste Finanzierungsrunde. Wie viel Geld pro Projekt fliesst und welche Beteiligung SFF erhält, nennt die Meldung nicht.
Die ersten Firmen
Cedric
Cedric ist ein KI-Teamkollege für kleine Unternehmen. Er soll Nachfassarbeit übernehmen und sich in bestehende Werkzeuge einklinken. Wir haben die Firma in diesen Tagen schon als eigene News vorgestellt.
Underheard
Underheard setzt KI-Stimmen für Kundengespräche ein. Der Agent ruft Menschen zu gewählten Zeitpunkten an, etwa nach dem Checkout oder bei einer Kündigung, und fragt nach. Er wertet Pausen und Tonfall mit aus und schreibt Ergebnisse in CRM-Systeme. Laut Website unterstützt er 31 Sprachen und zeichnet keine Audiodaten auf. Als Kunden zeigt die Firma unter anderem HotellerieSuisse, GuestReady und Kollabo. Wie eng diese Beziehungen sind, sagt die Seite nicht. Auf der Website steht ausserdem: Backed by SFF Studio.
Cedreon
Cedreon ist eine KI-Arbeitsumgebung für vertrauliche Arbeit. Mehrere Sprachmodelle laufen unter einem Abo. Ein Datenschutz-Tresor ersetzt Namen, IBANs und Fallnummern durch Platzhalter, bevor eine Anfrage das Modell erreicht, und setzt sie in der Antwort wieder ein. Firmen können ihren Arbeitsbereich auf in Europa gebaute Modelle beschränken. Die Firma schreibt selbst, die Maskierung sei best-effort und erfasse womöglich nicht jeden sensiblen Wert. Gebaut wird in der Schweiz von Absolventen der ETH Zürich, der EPFL und des Politecnico di Milano. Gründernamen nennt die Seite nicht.
Warum das Modell Sinn ergibt
Die Schweiz hat viele fähige Berater und Fachleute, die nie gründen, weil ihnen Idee, Team oder Mut fehlen. Ein Studio nimmt ihnen die Einsamkeit ab. Es gibt Struktur, Mentoren und einen festen Zeitrahmen. Für den Fonds ist es ein Weg, früh an guten Teams beteiligt zu sein, statt im Pitch-Wettbewerb gegen alle anderen zu bieten.
Auffällig ist die Themenwahl. Alle drei Firmen sind KI-Anwendungen für den Alltag von Unternehmen, keine Grundlagenforschung. Das passt zu einem Studio, das schnell Produkte testen will.
Unsere Einordnung
Wir finden das Modell klug und die Schweiz braucht mehr davon. Gründen nach Plan statt nach Zufall bringt neue Firmen hervor, die sonst nie entstanden wären.
Aber Vorsicht: Drei Produktseiten sind noch keine drei Erfolgsgeschichten. Zu Umsatz, Finanzierung und Teams liegen in den geprüften Quellen keine belastbaren Zahlen vor. Genau dort wird sich zeigen, ob das Studio nur schnell startet oder auch trägt. Wir schauen im Frühling nochmals hin. Bis dahin gilt: ein mutiger, sauberer Anfang.
Quelle: leaderdigital.ch
Mehr aus der Szene
FinanzierungRivero holt Elevator Ventures an Bord – Zürcher Zahlungs-Startup zielt auf Osteuropa
PorträtPorträt: Wie Tivano in Namibia Buschholz unter die Erde bringt und daraus CO2-Zertifikate macht
Personen