Rivercell startet mit USD 25 Mio. – Pariser Team will die Zelle als KI-Modell nachbauen

- Rivercell (Paris) gibt am 7./8. Oktober 2026 einen Seed über USD 25 Mio. (rund EUR 22 Mio.) bekannt, angeführt von HV.
- Mit dabei sind HCVC, Alven und Bpifrance Digital Venture sowie Angels aus Biotech-Firmen wie Twist Bioscience und DNA Script.
- Das Team baut eine Datenplattform und ein KI-Modell der Zelle (AI Virtual Cell), das Reaktionen auf Medikamente im Computer vorhersagen soll.
- Die EPFL-Professorin Charlotte Bunne sitzt im wissenschaftlichen Beirat.
🌍 Blick über die Grenze – Paris: Ein Startup will die Zelle im Computer nachbauen. Und eine EPFL-Professorin aus Lausanne sitzt im Beirat.
Rivercell kommt aus der Stealth-Phase und hat gleich USD 25 Mio. im Gepäck. Das Pariser Team will ein KI-Modell bauen, das vorhersagt, wie menschliche Zellen auf Medikamente reagieren. Für die Schweizer Life-Sciences-Szene ist das ein Signal.
Was die Firma macht
Rivercell ist ein Biotech- und KI-Unternehmen aus Paris. Es baut eine Dateninfrastruktur, die zeigt, wie menschliche Zellen auf Behandlungen oder genetische Eingriffe reagieren. Darauf trainiert das Team ein sogenanntes Weltmodell der Zelle, den AI Virtual Cell (AIVC). Das Modell soll im Computer vorhersagen, was mit einer Zelle passiert, wenn man ihr einen Wirkstoff gibt. So lassen sich laut Firma physische Laborversuche reduzieren.
Gegründet wurde Rivercell im Sommer 2025 von Yann Fleureau. Er ist CEO und war zuvor Mitgründer des KI-Herzdiagnostikers Cardiologs, den Philips 2021 gekauft hat. Als Mitgründer und Chief Science Officer ist Eric Durand dabei. Er leitete bei Novartis die Onkologie-Datenwissenschaft, war Chief Data Science Officer bei Owkin und hat Bioptimus mitgegründet.
Was gerade passiert ist
Rivercell hat einen Seed von USD 25 Mio. angekündigt, das sind rund EUR 22 Mio. Die Runde führt der Fonds HV an. Mit dabei sind HCVC, Alven und Bpifrance Digital Venture. Dazu kommen Angels, die als Gründer und Manager bei Twist Bioscience, DNA Script, Agilent und Abivax/Ipsen gearbeitet haben.
Das Geld geht in drei Bereiche: die Datenplattform, das Pariser Nasslabor und das AIVC-Programm. Das Labor wird ausgebaut. Wie gross es ist, nennt die Firma nicht. Auch Bewertung und Zeitplan für das erste Modell bleiben offen. CEO Fleureau sagt: Ein Weltmodell der Zelle sei die Chance des Jahrhunderts in der Medizin.
Warum Daten das Nadelöhr sind
Rivercells These ist einfach: Es fehlen Daten. Die KI-Erfolge bei Proteinen hatten Jahrzehnte öffentlicher Daten im Rücken. Für die Frage, wie Zellen über die Zeit auf Eingriffe reagieren, gibt es keinen vergleichbaren Datensatz. Bestehende Daten zeigen laut dem Team meist Zusammenhänge statt gezielter Eingriffe, messen nur einen Aspekt zu einem Zeitpunkt und decken wenige Zelltypen ab.
Darum baut Rivercell die Daten selbst. Lebende Zellen werden während jedes Versuchs gefilmt, ihre Genaktivität wird gelesen. Das Modell wählt den nächsten Versuch, das Labor führt ihn aus. Das Team entwickelt dazu eigene Messgeräte. Gleichzeitig ist das Feld voll. Medienberichten zufolge arbeitet Relation aus London mit GSK an einem Zell-Basismodell. Chai Discovery sammelte im Juli 2026 eine Series C von USD 400 Mio. ein. Wer hier gewinnen will, braucht Daten, Kapital und Geduld.
Warum das für die Schweiz zählt
Erstens gibt es einen direkten Draht in die Schweiz. Charlotte Bunne, Assistenzprofessorin an der EPFL, sitzt im wissenschaftlichen Beirat, gemeinsam mit Fabian Theis vom Helmholtz Munich. Das zeigt: Schweizer Hochschulen zählen in diesem Feld zur ersten Liga.
Zweitens passt das Thema zur Schweizer Wirtschaft. Basel ist eines der wichtigsten Pharma-Zentren der Welt. Roche und Novartis suchen seit Jahren nach Wegen, Wirkstoffe schneller und billiger zu finden. Ein Zell-Modell, das Versuche spart, wäre für sie hochinteressant. Eric Durand kennt Novartis von innen.
Drittens ist es ein Spiegel. Rivercell holt in der Seed-Phase USD 25 Mio. In der Schweiz sind Seed-Runden in dieser Grösse selten. Frankreich hat mit Bpifrance einen staatlichen Investor, der mutig mitzieht. Das ist ein Standortvorteil, den wir hierzulande gerne hätten.
Unsere Einordnung: Die Idee ist gross, das Risiko auch. Ob ein Zellmodell wirklich Laborversuche ersetzt, ist noch nicht bewiesen. Das Team ist aber stark, und das Geld reicht für einen ernsthaften Anlauf. Schweizer Biotech-Gründer und Investoren sollten genau hinschauen. Wer Daten, Labor und KI verbindet, könnte hier die nächste Welle setzen. Wir halten Rivercell für einen der spannendsten Neustarts des Herbstes.
Quelle: uniindia.com
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