Porträt: Wie Tivano in Namibia Buschholz unter die Erde bringt und daraus CO2-Zertifikate macht

- Tivano ist ein Zürcher Carbon-Removal-Startup und im ETH-Accelerator UPortunity gelistet.
- Das Projekt Dragonfly bei Otjiwarongo (Namibia) hat 120 Hektar Land behandelt und über 1000 CO2-Entnahmezertifikate (CORCs) erhalten.
- Zertifiziert nach Puro.earth (Terrestrial Storage of Biomass), Speicherdauer mindestens 100 Jahre.
- Laut Berichten entstanden 15 lokale Arbeitsplätze.
🔎 Porträt – Zürich: Tivano holt Kohlenstoff aus Namibias Busch und legt ihn für mindestens 100 Jahre unter die Erde.
Dornbusch frisst Weideland. Genau dort setzt ein Zürcher Startup an. Tivano räumt den Busch, vergräbt das Holz und verkauft die gespeicherte Menge CO2 als Zertifikat. Das klingt einfach. Dahinter steckt viel Handarbeit.
Was die Firma macht
Tivano ist eine Zürcher Carbon-Removal-Firma. Sie entfernt in Namibia invasive Gehölze, die sich auf Savannenland ausbreiten. Das Holz wird in unterirdischen Depots gelagert, damit es nicht verrottet und der Kohlenstoff nicht wieder in die Luft gelangt. Dafür gibt es zertifizierte Entnahmegutschriften, die Firmen kaufen können.
Auf der eigenen Website beschreibt Tivano die Mission so: Kohlenstoff entfernen, indem Ökosysteme wiederhergestellt werden. Nach dem Eingriff, sagt die Firma, sei innerhalb von acht Monaten wieder Graswuchs sichtbar, und die Tiere kehrten zurück.
Die Geschichte
Tivano ist im ETH-Accelerator UPortunity gelistet, den ETH Entrepreneurship betreibt. Auf der ETH-Seite sind Jakob Sturm, Hannah Beaven und Daniel Repérant als Team abgebildet. Die Firmen-Website nennt sieben Teammitglieder, darunter auch Namen aus dem Projekt vor Ort. Ihre Gründung begründet die Firma mit dem Gedanken, dass Wiederherstellung ein tragfähiges wirtschaftliches Modell braucht.
Der erste grosse Meilenstein kam im Mai 2026: Tivano meldete die ersten CO2-Entnahmezertifikate (CORCs) aus dem Projekt Dragonfly. Die Firma nennt es die grösste Anlage zur Speicherung von Biomasse an Land in Afrika. Wir geben das als Selbstangabe wieder.
Produkt & Technologie
Dragonfly liegt bei Otjiwarongo im Norden Namibias. Die Mitarbeitenden räumen den Busch selektiv, das heisst, nicht alles wird kahl geschlagen. Das Holz wandert in Depots, die den Abbau verhindern sollen. Die Zertifizierung läuft über Puro.earth nach der Methode „Terrestrial Storage of Biomass“. Verlangt wird eine Speicherdauer von mindestens 100 Jahren.
Die Zahlen: 120 Hektar sind behandelt, das entspricht rund 170 Fussballfeldern. Über 1000 CORCs sind ausgestellt. Dazu kommen laut dem Bericht Zusatznutzen: Lebensraum für Wildtiere, besseres Grundwasser, eine gesunde Savannen-Hydrologie und 15 neue Arbeitsplätze vor Ort. Auf der Website zeigt Tivano ausserdem Bilder vom Bau der Kohlenstoff-Depots und vom Aufbau der Messung und Überprüfung.
Markt & Wettbewerb
Der Markt für dauerhafte CO2-Entnahme wächst, bleibt aber ein Käufermarkt mit hohen Anforderungen an Qualität. Tivano ist in Namibia nicht allein. Die Berliner Firma Carbonsate betreibt ebenfalls ein Puro-zertifiziertes Projekt bei Otjiwarongo und hat im August 2026 mit dem Vermittler Senken einen Vertrag über 50'000 Tonnen CO2-Entnahme bis 2028 gemeldet. Preise wurden nicht genannt.
Dieselbe Berichterstattung weist auf eine Schwäche der Methode hin: Hundert Jahre Speicherdauer sind die niedrigste Dauerhaftigkeitsklasse im Puro-Portfolio. Wer Tausende Jahre will, kauft andere Verfahren. Das ist der Preis für ein vergleichsweise günstiges, naturnahes Verfahren.
Unsere Einordnung
Wir mögen Tivano. Die Idee verbindet zwei Probleme, die sonst getrennt gelöst werden: zu viel CO2 in der Luft und verbuschtes Weideland vor Ort. Wenn das Land wieder Gras trägt, haben Bauern etwas davon, und nicht nur die Käufer der Zertifikate. Das ist ein starkes Argument gegen den Vorwurf des Greenwashing.
Offen bleibt, wie die Firma wächst. 120 Hektar sind ein Anfang, aber noch keine Industrie. Wichtig werden Preise, Kunden und die lückenlose Überprüfung der Speicherung. Die Qualität entscheidet, ob Tivano ein Schweizer Vorzeigeprojekt oder nur eine Nische bleibt. Wir bleiben dran.
Quelle: carbonherald.com
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