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Porträt

Porträt: Wie Milan Aircraft aus dem Kanton Bern ein Elektro-Schulflugzeug baut

Redaktion·7. Okt. 2026·4 Min.
Porträt: Wie Milan Aircraft aus dem Kanton Bern ein Elektro-Schulflugzeug baut
In 30 Sekunden gelesen
  • Milan Aircraft entwickelt ein viersitziges, vollelektrisches Schulungsflugzeug am Flugplatz Langenthal (Bleienbach, BE).
  • Das Flugzeug soll rund 2,5 Stunden fliegen und den ganzen Lehrplan der Privatpilotenausbildung abdecken.
  • Geschäftsmodell: Die Flugzeuge werden an Flugschulen vermietet (Dry-Leasing).
  • Der Erstflug ist für 2027 geplant, die Zulassung läuft über die europäische Behörde EASA.

🔎 Porträt – Bern: Elektrisch fliegen ist schwer. Ein Berner Team will es dort zeigen, wo es am meisten Sinn macht: in der Pilotenausbildung.

Wer Pilot werden will, fliegt viele kurze Runden. Start, Platzrunde, Landung, und wieder von vorn. Genau dieses Profil passt zu Batterien. Milan Aircraft baut dazu ein eigenes Flugzeug, von Grund auf neu.

Was die Firma macht

Milan Aircraft entwickelt ein viersitziges, vollelektrisches Schulungsflugzeug. Es soll rund 2,5 Stunden in der Luft bleiben und damit den kompletten Lehrplan einer Privatpilotenausbildung abdecken. Die Firma heisst offiziell Milan Flugzeugwerke AG. Der Name kommt vom Greifvogel Milan. Sitz ist der Flugplatz Langenthal in Bleienbach im Kanton Bern.

Die Geschichte

Hinter dem Projekt steht Simon Wiedmer. Er ist CEO und Mitgründer. Laut Interview holte er Ingenieur-Kolleginnen und -Kollegen aus seinem persönlichen Netzwerk ins Gründerteam. Das Unternehmen wurde 2024 gegründet. Die Konzeptphase war Anfang 2025 abgeschlossen. Vorgestellt hat das Team das Flugzeug am 10. November 2025 im Hangar des Daetwyler-Museums. Damals arbeitete ein Team von rund 15 Personen daran.

Fachleute geben dem Entwurf Rückendeckung. Dr. Marc Immer, Dozent an der ETH Zürich, bestätigte eine hohe aerodynamische Effizienz. Dr. Hans Marthaler, Pionier der Schweizer Elektroluftfahrt und Fluglehrer, brachte die Sicht der Anwender ein. Drei Patentanmeldungen in zentralen Bereichen sind hängig.

Produkt & Technologie

Das Flugzeug ist eine Neukonstruktion und baut nicht auf einem Verbrenner-Modell auf. Die Batterie hat rund das Dreifache der Kapazität eines durchschnittlichen Elektroautos. In einem Interview mit Moneycab nannte Wiedmer 170 kWh, eine Reichweite von über 400 Kilometern und eine Reisegeschwindigkeit von 120 Knoten (rund 220 km/h). Drei unabhängige Antriebsstränge sorgen für Redundanz. Gross dimensionierte Landeklappen erlauben Betrieb auf kurzen Pisten. Die Entwickler wollen alle Schlüsselkomponenten selbst bauen.

Das Motto laut Wiedmer: Durchbruch mit der Technik von heute, dank kluger Systemauslegung. Das ist ein vernünftiger Ansatz. Statt auf neue Batteriechemie zu warten, rechnet das Team mit dem, was es heute zu kaufen gibt.

Markt & Wettbewerb

Das Team sieht in Europa rund 5000 Schulungsflugzeuge im Einsatz. Milan will sie nicht verkaufen, sondern an Flugschulen vermieten (Dry-Leasing). Die Betriebskosten sollen nach Erwartung der Firma um rund 65 Prozent sinken. Das ist eine Selbstangabe und noch kein Beweis. Entscheidend wird sein, ob Strom, Wartung und Batterie im Alltag wirklich so günstig sind.

Die grösste Hürde ist die Zulassung. Der Prozess bei der europäischen Behörde EASA läuft, die Regeln für Elektroflugzeuge entwickeln sich aber noch. Der Erstflug ist für 2027 geplant.

Finanzierung & Zahlen

Laut dem Interview finanzierte sich das Team bisher mit Geld der Gründer, Wandeldarlehen früher Investoren und Beiträgen des Kantons Bern. Eine Kapitalerhöhung von CHF 1,5 Millionen war geplant. Zum aktuellen Stand der Finanzierung gibt es von der Firma keine eigene Meldung, die wir hier belegen können.

Unsere Einordnung

Wir mögen den Fokus. Wer einen elektrischen Langstreckenflieger verspricht, scheitert an der Physik. Wer einen Trainer baut, nutzt die Stärken der Batterie: kurze Flüge, leiser Betrieb, tiefe Energiekosten. Die Schweiz hat dazu die Ingenieure und die Hochschulen. Was fehlt, ist Kapital in der Hardware-Phase. Hier wird sich zeigen, ob ein junges Flugzeugprojekt in der Schweiz bis zum Erstflug finanziert werden kann. Wir drücken die Daumen und schauen 2027 genau hin.

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Name
Milan Aircraft
Phase
Pre-Seed
Kanton
Bern
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Quelle: milan-aircraft.com

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