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Porträt: Wie CC Cardio aus Lugano eine Herzpumpe für Menschen mit halbem Herzen baut

Redaktion·30. Sept. 2026·5 Min.
Porträt: Wie CC Cardio aus Lugano eine Herzpumpe für Menschen mit halbem Herzen baut
In 30 Sekunden gelesen
  • CC Cardio (Lugano, Tessin) entwickelt UniFlow, eine per Katheter eingesetzte Herzpumpe für Patienten mit nur einer funktionierenden Herzkammer.
  • Gründerin ist Maria Alexandra Cetățoiu, Bioingenieurin und Doktorandin am Politecnico di Milano. Das Startup gehört zum USI Startup Centre.
  • Im Dezember 2025 gewann CC Cardio die 8. Boldbrain Startup Challenge mit CHF 40'000 Preisgeld und einem EMBA-Stipendium über CHF 56'000.
  • Die Pumpe ist präklinisch. Laut Dealroom erhielt das Startup Ende September 2026 EUR 160'000 von der Tech Europe Foundation.

🔎 Porträt – Lugano: Ein Startup baut die Herzpumpe, die es für Menschen mit nur einer Herzkammer noch nicht gibt.

«Half a heart, a full life», halbes Herz, volles Leben: So beschreibt CC Cardio seine Mission. Das Medtech-Startup aus Lugano arbeitet an UniFlow, einer Pumpe, die per Katheter in den Kreislauf von Patienten mit einer einzigen funktionierenden Herzkammer kommen soll. Das Produkt ist noch weit vom Markt entfernt. Die Geschichte dahinter lohnt trotzdem einen genauen Blick.

Was die Firma macht

CC Cardio entwickelt eine Plattform zur Kreislaufunterstützung für Menschen mit sogenannter Fontan-Zirkulation. Das sind Patienten, die mit nur einer funktionierenden Herzkammer geboren wurden und im Kindesalter operiert werden. Ihr Blut wird ohne Pumpe zur Lunge geleitet. Nach Angaben des Startups leben weltweit über 80'000 Menschen damit. Auf Dauer drohen Organschäden, ein kleiner Teil braucht eine Transplantation.

Das Problem: Es gibt heute keine Pumpe, die für diese besondere Anatomie gebaut wurde. Nach Firmenangaben sind bestehende Geräte für andere Krankheiten entwickelt und werden für Fontan-Patienten zweckentfremdet. UniFlow soll das ändern: eine eigens dafür konstruierte, selbstregulierende Pumpe, die die fehlende Herzkammer nachahmt.

Die Geschichte

Gegründet hat CC Cardio Maria Alexandra Cetătoİu. Sie ist Bioingenieurin und Doktorandin am Politecnico di Milano. Nach einem Bericht von Ticino Welcome trieb sie die eigene Erfahrung mit einem angeborenen Herzfehler an. Der Ansatz entstand in der Forschung mit akademischen Partnern.

Den ersten grossen Schub brachte die Boldbrain Startup Challenge. Bei der achten Ausgabe am 3. Dezember 2025 im Palazzo dei Congressi in Lugano gewann CC Cardio den ersten Preis: CHF 40'000 Preisgeld und ein Stipendium über CHF 56'000 für den Executive MBA an der Università della Svizzera italiana (USI). Der Wettbewerb zählte laut Veranstalter über 860 Eingaben und verteilte insgesamt CHF 174'000. Organisiert wird er von der Fondazione Agire mit dem USI Startup Centre.

Im Februar 2026 lud swissnex in Boston zu einem Lunch-Gespräch mit der Gründerin ein. Auf der Firmenwebsite nennt sich CC Cardio als vom USI Startup Centre, swissnex Boston und der Tech Europe Foundation unterstützt.

Produkt & Technologie

UniFlow ist eine Pumpe, die per Katheter in den Fontan-Kreislauf eingebracht werden soll. Sie liefert einen pulsierenden Blutfluss, den die heutige Operationsmethode nicht bietet. Nach der Beschreibung des Startups kombiniert sie Kreislauftechnik, Computermodelle und künstliche Intelligenz. Adaptive Algorithmen reagieren auf den Herzrhythmus, damit die Unterstützung zum Patienten passt.

Der Stand ist ehrlich präklinisch. Laut Ticino Welcome sind Simulationen und Labortests abgeschlossen, Tierversuche stehen noch aus. Die Firma selbst schreibt, UniFlow sei nicht für den klinischen Einsatz zugelassen und nicht verkäuflich.

Markt & Wettbewerb

Es ist ein kleiner Markt mit grosser Not. Nach Angaben von swissnex kommen etwa fünf von 100'000 Neugeborenen mit einer solchen Herzkammer-Situation zur Welt. Die Firma nennt zudem Studien, wonach ein grosser Teil der Patienten, die zweckentfremdete Herzunterstützungssysteme nutzen, Komplikationen erleidet. Solche Zahlen stammen vom Startup und lassen sich aus den zugänglichen Quellen nicht unabhängig bestätigen.

Wettbewerb gibt es vor allem in Form der zweckentfremdeten Geräte. Ein spezialisiertes Produkt für diese Nische könnte deshalb sehr wertvoll werden. Der Weg dorthin ist aber lang: Tierversuche, klinische Studien und die Zulassung kosten viel Zeit und Geld.

Finanzierung & Zahlen

Belegt sind der Boldbrain-Preis und die Förderung durch die Tech Europe Foundation. Laut Dealroom erhielt CC Cardio am 28. September 2026 EUR 160'000 von der Stiftung, um die Pumpe für Patienten mit nur einer Herzkammer weiterzuentwickeln. Es ist nicht verwässerndes Geld: Das Startup gibt dafür keine Anteile ab. Eine klassische Venture-Runde nennen wir nicht, weil uns dazu keine Angaben vorliegen. Crunchbase führt die Firma als CC Cardio AG mit Sitz in Lugano.

Unsere Einordnung

Das ist Medtech, wie wir es uns wünschen: ein echtes Problem, eine klare Nische, eine Gründerin, die das Thema kennt. Der Weg ist lang, und wir wollen ihn nicht schönreden. Bis ein Patient UniFlow bekommt, vergehen Jahre.

Was uns gefällt: Das Tessin zeigt, dass Medtech nicht nur in Zürich und Lausanne wächst. Ein Wettbewerb in Lugano, eine Universität mit Startup-Zentrum und eine Stiftung aus Europa tragen dieses Projekt. Für ein Team ohne grosses Risikokapital ist das eine solide Basis. Der nächste Test ist entscheidend: die Tierstudien. Wenn UniFlow dort überzeugt, wird aus einer guten Geschichte ein Investment.

Zum Startup

Name
CC Cardio
Phase
Pre-Seed
Kanton
Tessin
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Quelle: cccardio.ch

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