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Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im September 2026

Redaktion·5. Okt. 2026·5 Min.
Die grössten Schweizer Finanzierungsrunden im September 2026
In 30 Sekunden gelesen
  • NovaGo Therapeutics aus Schlieren schliesst die grösste Runde des Monats: 30 Millionen Dollar Series B für eine Therapie gegen akute Rückenmarksverletzungen.
  • Dahinter folgt Piomic Medical mit 25 Millionen Dollar Wachstumskapital, angeführt von Swisscanto. Drei der sechs grössten Runden kommen aus den Life Sciences.
  • Kein Neunstelliger wie im August, dafür ein gesunder Mix aus Biotech, Medtech, Quanten-Software und Klimatechnik.
  • Das Geld fliesst nicht nur nach Zürich: Thurgau, Graubünden und Tessin sind diesmal in der Rangliste.

Der August hatte einen einzigen Paukenschlag, die 200 Millionen von Gravis Robotics. Der September war anders. Keine Runde im dreistelligen Bereich, dafür ein breiter Fächer an Deals über die ganze Schweiz verteilt. Und ein klares Schwergewicht: die Life Sciences.

Platz 1: NovaGo holt 30 Millionen für die Rückenmark-Therapie

Die grösste Runde des Monats kommt aus der Biotech-Hochburg Schlieren. NovaGo Therapeutics gab am 2. September eine Series B über 24 Millionen Franken bekannt, rund 30 Millionen Dollar. Angeführt haben sie Neurimmune und Pureos Bioventures. Dazu kommt nicht verwässerndes Kapital von der Schweizer Paraplegiker-Stiftung und von Wings for Life.

NovaGo entwickelt Antikörper gegen das Protein Nogo-A. Dieses Protein bremst im zentralen Nervensystem die Regeneration von Nervenfasern. Blockiert man es, sollen sich geschädigte Nervenbahnen wieder verbinden. Das Geld fliesst in eine Studie zum Wirksamkeitsnachweis bei Patienten mit akuter Rückenmarksverletzung. Das ist Deep Tech mit direktem Nutzen für Menschen, die sonst keine Aussicht auf Besserung haben.

Die Rangliste dahinter: Life Sciences geben den Takt vor

Auf Platz zwei steht Piomic Medical aus Zürich. Das ETH-Spin-off sicherte sich am 18. September 25 Millionen Dollar Wachstumskapital, angeführt von Swisscanto. Mit an Bord sind unter anderem die Zürcher Kantonalbank, Verve Ventures und der Diabetes Venture Fund. Piomic hat ein Therapiesystem für die Wundheilung auf Knopfdruck entwickelt. Das Geld soll die klinische Zulassung in den USA finanzieren.

Platz drei geht an Prevision Medicine, ebenfalls aus Zürich. Die Biotech-Firma holte am 24. September eine Seed-Runde über 5,4 Millionen Dollar. Prevision testet Krebsmedikamente an lebenden Zellen der Patienten, bevor sie verabreicht werden. Das soll zeigen, welche Therapie wirklich anschlägt, statt sie am Patienten durchzuprobieren.

Auf Platz vier folgt Jaipur Robotics aus Manno im Tessin. Das Startup schloss am 7. September eine Seed-Runde über 4,3 Millionen Euro ab, angeführt von EquityPitcher Ventures und dem deutschen High-Tech Gründerfonds. Jaipur bringt Computer Vision in Kehrichtverbrennungsanlagen. Kameras analysieren den Abfall, erkennen gefährliche Stoffe und steuern die Kräne. Ein seltener Deep-Tech-Deal aus dem Tessin.

Platz fünf teilt die Schweiz mit den Tropen: Cotierra aus Zürich holte am 29. September 3 Millionen Dollar, angeführt von PINC, dem Investitionsarm des finnischen Kaffeekonzerns Paulig. Cotierra baut dezentrale Anlagen, die Pflanzenreste zu Pflanzenkohle verarbeiten. Das bindet Kohlenstoff und macht Böden in der tropischen Landwirtschaft fruchtbarer.

Platz sechs ist der Exot der Liste: Qambria aus Steckborn im Thurgau meldete am 25. September eine Pre-Seed-Runde über 2 Millionen Franken, angeführt von Syntropy. Qambria baut keine Quantenhardware, sondern die Software, die Quantenprozessoren mit klassischen Rechenzentren verbindet. Verkauft wird das als Lizenzmodell. Ein Quanten-Startup aus dem Thurgau ist eine Ansage.

Platz sieben geht an Bee People aus St. Moritz. Das Gesundheits-Startup sammelte am 30. September 1,3 Millionen Franken ein. Bee People macht Nahrungsergänzungsmittel auf Basis von Propolis, dem Kittharz aus dem Bienenstock. Gegründet haben es Marie So und Daniel Meyer, die zuvor schon EGO Movement aufgebaut haben. Das Kapital soll den Weg nach Asien ebnen.

Was wir aussortiert haben

Mehrere grosse Zahlen, die im Netz als September-Runden kursieren, gehören nicht in diesen Monat. NUCLIDIUM aus Basel wird mit 105 Millionen Franken geführt, doch die letzte Aufstockung auf diese Summe datiert vom 29. Mai. Hilo, das Blutdruck-Wearable aus Neuenburg, holte 19 Millionen Dollar, aber bereits im Juli. Beides sind echte Runden, nur eben nicht aus dem September.

Energy Vault nannte 40 Millionen Dollar, es handelt sich aber um eine Kreditlinie, nicht um Eigenkapital, und die Firma ist an der New Yorker Börse kotiert. Kein Startup-Deal. Aseptuva aus Bern tauchte mit 2,4 Millionen Franken auf, diese Seed-Runde schloss aber schon 2025. Im September eröffnete Aseptuva lediglich eine neue Series A. Und der Börsengang von Infomaniak sowie die 4 Millionen von Food Founders Studio fielen auf den 1. und 2. Oktober, gehören also in den nächsten Monat.

Ein ehrlicher Hinweis zu NovaGo: Die Firma schreibt selbst, die Runde sei Ende August abgeschlossen worden. Öffentlich gemacht wurde sie am 2. September. Wir datieren an der offiziellen Mitteilung, deshalb steht NovaGo im September. Schon in unserer August-Liste hatten wir das so angekündigt.

Unsere Einordnung

Der September war ein normaler Monat, und das ist gut so. Nach dem SoftBank-Ausreisser im August zeigt sich wieder das echte Bild des Schweizer Marktes: viele solide Runden im einstelligen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich, getragen von der Substanz und nicht von einem einzelnen Mega-Investor. Wer die Gesundheit eines Ökosystems messen will, schaut auf die Breite, nicht auf den Spitzenwert.

Und die Breite heisst diesmal Life Sciences. NovaGo, Piomic und Prevision, drei der sechs grössten Runden, kommen aus Biotech und Medtech, alle aus dem Grossraum Zürich. Die Achse Zürich-Schlieren mit der ETH, der Universität und dem Bio-Technopark ist das Rückgrat der Schweizer Gesundheitsforschung. Hier wird aus Grundlagenforschung Kapital, und aus Kapital irgendwann Therapie.

Am meisten freut uns aber die Landkarte. Thurgau, Graubünden, Tessin: Drei Runden kommen aus Kantonen, die man selten in solchen Listen sieht. Ein Quanten-Startup aus Steckborn und ein Bienen-Startup aus St. Moritz sind der Beweis, dass gute Ideen nicht an die grossen Zentren gebunden sind. Genau das wollen wir sichtbar machen.

Die genannten Startups findest du im Verzeichnis, filterbar nach Kanton, Branche und Finanzierungsphase.

Quelle: startupticker.ch

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