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Cluster-Check Robotik: 217 Firmen, 7000 Jobs – aber beim Kapital fehlt die Schweiz

Redaktion·4. Okt. 2026·5 Min.
Cluster-Check Robotik: 217 Firmen, 7000 Jobs – aber beim Kapital fehlt die Schweiz
In 30 Sekunden gelesen
  • Laut Raiffeisen-Studie gibt es in der Schweiz 217 Robotikfirmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen, davon 109 Kernfirmen.
  • 56 Prozent der untersuchten Firmen stammen aus einer Hochschule; ETH Zürich und EPFL liefern 31 bzw. 16 Spin-offs.
  • 87 Prozent der Kernfirmen haben weniger als 100 Beschäftigte; nur drei mehr als 250.
  • Bei Runden über USD 100 Mio. stammen nur 12 Prozent des Kapitals aus der Schweiz, 54 Prozent aus den USA.

🗺️ Cluster – Schweizer Robotik: Das Land baut die Roboter von morgen, aber das grosse Geld kommt häufig von anderswo.

Eine neue Studie von Raiffeisen Economic Research zählt erstmals sauber durch, wie gross die Schweizer Robotikszene ist. Das Ergebnis macht stolz und nachdenklich zugleich. Wir ordnen die wichtigsten Zahlen ein.

Die Grösse des Clusters

Raiffeisen zählt 217 Robotikunternehmen mit rund 7000 Arbeitsplätzen. 109 davon sind Kernfirmen, also Unternehmen, deren Hauptprodukt Robotik ist. Dazu kommen Zulieferer und Integratoren. Zwei Drittel der Kernfirmen sind Startups oder Scale-ups. Die Scale-ups allein bieten rund 2000 Stellen und liegen damit über den etwa 1600 Vollzeitstellen der etablierten internationalen Konzerne im Land. In jedem Jahr von 2023 bis 2025 wurden mindestens zehn neue Robotikfirmen gegründet. Die Szene ist jung und wächst.

Die Hochschul-Maschine

56 Prozent der untersuchten Firmen haben ihren Ursprung an einer Hochschule. Es gibt 61 Robotik-Spin-offs von Schweizer Universitäten, 31 davon von der ETH Zürich und 16 von der EPFL. Laut SRF haben ETH-Spin-offs rund USD 785 Mio. Risikokapital angezogen, jene der EPFL rund USD 508 Mio. Seit 2020 wurden in der Schweiz etwa 3,8 risikofinanzierte Robotik-Startups pro Million Einwohner gegründet. Das ist deutlich mehr als in den USA, Grossbritannien und Deutschland.

Wo die Schweizer stark sind

Rund 70 Prozent der Kernfirmen arbeiten an professionellen Servicerobotern. Die Schweiz setzt auf Drohnen, autonome mobile Roboter, Inspektion, Logistik und Gesundheit. Die klassische Industrieautomation, wo Japan und Deutschland stark sind, ist nicht der Schwerpunkt. Trotzdem ist sie mit 29 Firmen das grösste einzelne Anwendungsfeld. Bei der Roboterdichte liegt das Land mit 29 Industrierobotern je 1000 Beschäftigten auf Rang 10 weltweit.

Das Skalierungsproblem

Hier wird es unbequem. 87 Prozent der Kernfirmen haben weniger als 100 Mitarbeitende in der Robotik. Nur drei haben mehr als 250. Und bei Finanzierungsrunden über USD 100 Mio. stammen laut Studie nur 12 Prozent des Kapitals aus der Schweiz, aber 54 Prozent aus den USA. Ein Beispiel aus unserer eigenen Berichterstattung: Gravis Robotics holte im August USD 200 Mio. von SoftBank. Solche Runden sind möglich, aber sie finanzieren sich selten aus dem Inland. Die Studie warnt, dass diese Abhängigkeit Verkäufe und eine Verlagerung der Wertschöpfung ins Ausland begünstigen kann.

Der Blick nach vorn

Raiffeisen rechnet damit, dass Robotik künftig jeden dritten Arbeitsplatz in der Schweiz berühren könnte. Gegen den Fachkräftemangel hilft sie aber nur begrenzt: Nur 17 Prozent der Berufe mit Engpässen sind überdurchschnittlich für Robotik geeignet. Roboter sind also kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug für bestimmte Aufgaben.

Unsere Einordnung

Die Schweiz ist bei der Gründung von Robotikfirmen Weltklasse. Bei der Skalierung ist sie es nicht. Das ist kein Talentproblem, sondern ein Kapitalproblem. Wenn nur 12 Prozent der grossen Runden aus dem Inland kommen, entscheiden andere, wohin die Firmen wachsen. Wir wünschen uns mehr Schweizer Growth-Kapital, etwa von Pensionskassen, und mehr Mut bei Beschaffungen der öffentlichen Hand. Die Basis ist da: starke Hochschulen, viele Spin-offs, klare Nischen. Jetzt muss das Geld folgen. Sonst bauen wir die Roboter, und andere verdienen an ihnen.

Quelle: netzwoche.ch

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