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Meinung

Cluster-Check Energiespeicher: Beton, Aluminium und Wind – drei Pionierfonds-Startups packen die Energiewende an

Redaktion·10. Okt. 2026·5 Min.
Cluster-Check Energiespeicher: Beton, Aluminium und Wind – drei Pionierfonds-Startups packen die Energiewende an
In 30 Sekunden gelesen
  • Kelva Systems (Thalwil, gegründet 2025) speichert Ökostrom als Wärme von fast 600 Grad in Betonblöcken.
  • apricot 366 (Lichtensteig, gegründet Oktober 2023) speichert erneuerbare Energie chemisch in Aluminium für den Winter.
  • Windworks (Lausanne) baut vertikale Kleinwindturbinen bis 30 Meter mit adaptiver Blattsteuerung.
  • Alle drei erscheinen als laufende Projekte beim Migros-Pionierfonds, der nachhaltige Lösungen fördert.

🗺️ Cluster – Energiespeicher: Drei junge Schweizer Teams lösen drei Teile desselben Problems, und der Migros-Pionierfonds steht bei allen dreien im Hintergrund.

Die Energiewende hat ein Zeitproblem. Sonne und Wind liefern, wenn sie wollen. Industrie und Haushalte brauchen Energie, wenn sie sie brauchen. Wer diese Lücke schliesst, baut das Fundament der Zukunft. Drei Startups gehen das ganz unterschiedlich an. Wir stellen sie vor und sagen, was wir davon halten.

Kelva Systems: Strom wird zu Prozesswärme

Kelva Systems sitzt in Thalwil und ist laut Verzeichnis im September 2025 gestartet. Das Prinzip ist einfach: Widerstandsheizungen erhitzen Betonblöcke auf fast 600 Grad. Die gespeicherte Wärme gibt das System später als Dampf oder Heissluft ab. Das zielt auf industrielle Prozesse, die heute oft noch fossile Kessel nutzen. Im Pionierfonds-Verzeichnis steht das Projekt unter dem Stichwort Wärmewende.

Der Reiz: Beton ist billig, robust und überall verfügbar. Die Technik braucht keine seltenen Rohstoffe. Der Haken liegt im Detail. Industriekunden kaufen keine Idee, sie kaufen gesicherte Leistung, Preis pro Kilowattstunde und Lieferfristen. Hier muss das junge Team Referenzen aufbauen.

apricot 366: Der Sommer im Aluminium

apricot 366 sitzt in Lichtensteig im Toggenburg und wurde im Oktober 2023 gegründet. Die Firma speichert erneuerbare Energie chemisch in Aluminium. Bei Bedarf entstehen daraus Wärme und Wasserstoff, der sich auch zur Stromerzeugung nutzen lässt. Laut Firma fällt dabei kein CO2 an. Gemeint ist ein saisonaler Speicher: Energie aus dem Sommer soll im Winter zur Verfügung stehen. Auf der eigenen Website meldet die Firma, vom Migros-Pionierfonds unterstützt zu werden. Auch Venture Kick hat das Team laut Verzeichnis gefördert.

Saisonale Speicherung ist die vielleicht schwierigste Aufgabe der Branche. Die Schweiz hat im Winter ein Stromloch, und die Frage, wie man es füllt, ist politisch heiss. Ein Weg über Aluminium ist mutig. Ob er wirtschaftlich aufgeht, muss sich erst in Feldtests zeigen.

Windworks: Wind dort, wo er gebraucht wird

Windworks aus Lausanne baut kompakte Windturbinen mit vertikaler Achse. Sie werden bis zu 30 Meter hoch. Eine eigene adaptive Blattsteuerung passt die Rotorblätter an wechselnden Wind an. Laut Firma bringt das deutlich mehr Ertrag. Zielkunden sind Bauernhöfe, Fabriken und Gemeinden mit eigenem Land. Der Pionierfonds hilft laut seinem Projektprofil bei den ersten Pilotanlagen und auf dem Weg zur Marktreife. Das Team wurde 2026 ausserdem unter die Top100 Schweizer Startups gewählt, im zweiten Jahr seines Bestehens.

Windkraft hat es in der Schweiz schwer. Grosse Anlagen scheitern oft am Widerstand vor Ort. Kleine, lokale Turbinen könnten dieses Problem umgehen. Gleichzeitig sind die Hersteller hier am Anfang: Pilotanlagen zeigen, ob die versprochene Mehrleistung im Alltag hält.

Was die drei verbindet

Alle drei sind jung, alle drei bauen Hardware, und alle drei stehen im Pionierfonds-Verzeichnis als laufende Projekte. Hardware ist teuer, langsam und riskant. Klassische Wagniskapitalgeber meiden sie deshalb oft in der frühen Phase. Geduldiges Kapital, wie es der Pionierfonds bietet, füllt genau diese Lücke zwischen Idee und erstem zahlenden Kunden. Zu den Summen machen die Quellen keine Angaben, wir nennen deshalb keine.

Auch inhaltlich ergänzen sich die Ansätze. Kelva wirkt auf Stunden bis Tage, apricot 366 auf Monate, Windworks auf die Erzeugung. Zusammen decken sie unterschiedliche Zeitskalen ab. Das ist kein Zufall, sondern zeigt, wie breit das Problem ist.

Unsere Einordnung

Wir finden: Die Schweiz hat hier einen kleinen, aber echten Cluster, und er verdient mehr Aufmerksamkeit. Die Ideen sind konkret, die Technik ist greifbar, und der Bedarf ist unbestritten. Am meisten Chancen sehen wir bei Kelva. Industriewärme ist ein grosser Hebel, die Technik ist einfach, und die Kunden haben ein klares Budget. Am meisten Mut braucht apricot 366. Wenn das saisonale Speichern gelingt, wird es richtig gross.

Der nächste Schritt ist für alle drei derselbe: Pilotkunden, Messwerte und eine Finanzierungsrunde mit Investoren, die Hardware verstehen. Dann zeigt sich, wer von der Förderung in den Markt springt. Wir bleiben dran und melden uns, sobald es handfeste Zahlen gibt.

Quelle: engagement.migros.ch

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