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1KOMMA5° steigert Bewertung auf USD 1,35 Mrd. – Hamburger Energie-Unicorn setzt voll auf Heartbeat AI

Redaktion·21. Okt. 2026·5 Min.
1KOMMA5° steigert Bewertung auf USD 1,35 Mrd. – Hamburger Energie-Unicorn setzt voll auf Heartbeat AI
In 30 Sekunden gelesen
  • 1KOMMA5° aus Hamburg sammelt rund EUR 70 Mio. ein, angeführt von b2venture; neuer Investor ist Marunouchi Innovation Partners.
  • Die Pre-Money-Bewertung liegt bei USD 1,35 Mrd. und damit 35 Prozent über der Runde vom Juli 2025.
  • 2027 sollen über EUR 100 Mio. in die Energie-KI Heartbeat AI fliessen.
  • Die KI steuert über 100'000 Systeme und bündelt mehr als 1 GW Flexibilität in fünf Märkten.

🌍 Blick über die Grenze – Deutschland: Warum ein Hamburger Unicorn zeigt, wie aus Solarmodulen, Batterien und Wärmepumpen ein Kraftwerk aus Software wird – und was das für den Schweizer Energiemarkt bedeutet.

1KOMMA5° hat frisches Kapital geholt. Die Bewertung steigt um 35 Prozent. Das Geld soll vor allem in eine Software fliessen: die Energie-KI Heartbeat AI. Wir erklären, was dahintersteckt.

Was die Firma macht

1KOMMA5° sitzt in Hamburg und wurde 2021 gegründet. CEO und Mitgründer ist Philipp Schröder, CFO und Mitgründer ist Micha Grüber. Heute arbeiten rund 3'000 Menschen für das Unternehmen, an etwa 80 Standorten in sieben Märkten.

Das Geschäftsmodell hat zwei Ebenen. Unten steht die Hardware: Das Unternehmen installiert Photovoltaik, Batteriespeicher, Wärmepumpen, Ladestationen und Klimaanlagen. Oben steht die Software. Heartbeat AI steuert diese Anlagen und verkauft den Strom an der Börse. Laut Firma sind über 300'000 steuerbare dezentrale Energiesysteme installiert. Die KI optimiert davon mehr als 100'000 Systeme und bündelt über 1 Gigawatt Flexibilität in fünf Märkten. Damit zählt 1KOMMA5° nach eigener Aussage zu den grössten virtuellen Kraftwerken für Haushalte in Europa.

Was gerade passiert ist

Am 13. Oktober 2026 hat 1KOMMA5° eine neue Finanzierung bekannt gegeben. Die Pre-Money-Bewertung liegt bei USD 1,35 Mrd. (rund EUR 1,2 Mrd.). Das sind 35 Prozent mehr als bei der Runde vom Juli 2025. Gleichzeitig will das Unternehmen 2027 mehr als EUR 100 Mio. in Heartbeat AI investieren. Rund EUR 70 Mio. stammen aus der neuen Runde, rund EUR 35 Mio. aus dem operativen Cashflow.

Die Zahlen zum Geschäft: Das Kerngeschäft mit Hardware ist laut Firma EBITDA-profitabel und cashflow-positiv. Für 2026 erwartet 1KOMMA5° organisches Umsatzwachstum von 35 bis 40 Prozent. Die neuen Aufträge in Deutschland stiegen im September um fast 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dazu kommen Finanzierungslinien von bis zu EUR 1,5 Mrd. bei Banken. Das Unternehmen sagt, es sei schuldenfrei. Alle Angaben stammen von der Firma.

Wer investiert

Die Runde führt b2venture an. Neu dabei ist der japanische Cleantech-Investor Marunouchi Innovation Partners. Dazu beteiligen sich bestehende Geldgeber wie CalSTRS, eCapital, G2 Venture Partners und Eurazeo. Zum Kreis der früheren Investoren zählen unter anderem Hamilton Lane, Porsche Ventures, 2150vc, Norrsken, Blue Elephant Ventures und Sabanci Climate Ventures. Auch die Familienbüros Haniel und Schürfeld sowie Jan Klatten sind dabei.

Markt und Technologie: Strom wird zum Datenprodukt

Der Strommarkt verändert sich. Sonne und Wind liefern viel, aber nicht immer dann, wenn man Strom braucht. Preise schwanken stark. Wer Verbrauch und Speicher flexibel steuert, kann davon profitieren. Ein einzelnes Haus ist dabei zu klein. Tausende vernetzte Häuser sind ein Kraftwerk. Genau das nennt man virtuelles Kraftwerk.

Die Idee von 1KOMMA5° ist ein Betriebssystem für das ganze Haus. Schröder sagt, das Energiesystem brauche eine universelle Energie-KI als durchgängiges Betriebssystem. Der Hebel ist klar: Die Hardware bringt die Kundschaft, die Software bringt die Marge. Grüber nennt Heartbeat AI den wichtigsten Wachstumstreiber. Das Ziel bis 2030 lautet, mehr als 1,5 Millionen Gebäude auf erneuerbare Energie umzustellen.

Warum das für die Schweiz zählt

Eine Präzisierung vorab: In der Mitteilung nennt 1KOMMA5° die sieben Märkte nicht. Ein Schweizer Geschäft belegen wir daher nicht. Relevant ist der Fall trotzdem.

Erstens geht es um denselben Wandel, der auch hier läuft. Die Schweiz baut Photovoltaik stark aus. Dazu kommen Wärmepumpen und Elektroautos. Das Netz braucht Flexibilität. Wer sie bündeln kann, hat einen Markt. Schweizer Startups im Energiebereich können von diesem Modell lernen: erst die Anlage, dann der Datenschatz, dann der Handel.

Zweitens zeigt der Fall, was Investoren heute zahlen. Es ist keine reine Softwarewette. Es ist ein Hybrid aus Installation und KI, mit Gewinn im Kerngeschäft. Das ist ein Gegenbeispiel zur These, Cleantech sei nur etwas für Subventionen. Schweizer Gründer mit Hardware-Wurzeln dürfen das als Signal lesen.

Drittens bleibt ein Fragezeichen. Eine Bewertung von USD 1,35 Mrd. verlangt Wachstum. Der Strommarkt ist reguliert und politisch. Wer auf Börsenpreise setzt, trägt Risiko. Zudem sind alle Kennzahlen Firmenangaben. Wir finden den Kurs mutig, aber logisch. Wer die Software kontrolliert, kontrolliert die Marge.

Unser Fazit: Das Hamburger Beispiel ist ein Weckruf für die Schweizer Energie-Szene. Wer heute Anlagen verkauft, sollte morgen Flexibilität verkaufen. Der Wettbewerb um diese Rolle hat begonnen.

Quelle: 1komma5.com

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